DAkkS — Deutsche Akkreditierungsstelle

Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) ist die einzige nationale Akkreditierungsstelle Deutschlands. Sie akkreditiert Prüflabore nach DIN EN ISO/IEC 17025, Inspektionsstellen und Personenzertifizierer — und damit faktisch jede ernstzunehmende Werkstoffprüfeinrichtung im Land.

Was ist die DAkkS?

Die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) mit Sitz in Berlin ist die nationale Akkreditierungsstelle der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde 2010 als Konsequenz der EU-Verordnung 765/2008 gegründet und ist die einzige in Deutschland zugelassene Stelle, die Konformitätsbewertungsstellen offiziell akkreditieren darf — also Prüflabore, Inspektionsstellen, Personenzertifizierungsstellen und Produktzertifizierungsstellen.

Für die Werkstoffprüfung bedeutet das: Wenn ein Prüflabor sich „akkreditiert nach DIN EN ISO/IEC 17025" nennt, hat es seine Akkreditierung in Deutschland von der DAkkS erhalten. Eine Stelle, die Werkstoffprüfer nach EN ISO 9712 zertifiziert, muss in der Regel nach DIN EN ISO/IEC 17024 akkreditiert sein (in Deutschland z. B. die DGZfP). Ohne eine entsprechende Akkreditierung sind Prüfberichte und Personenzertifikate in vielen regulierten Industriebereichen nicht anerkannt oder nur eingeschränkt verwendbar.

Rechtsgrundlage und Status

Die DAkkS ist eine privatrechtlich organisierte, staatlich beliehene Akkreditierungsstelle. Sie nimmt hoheitliche Aufgaben wahr, ist organisatorisch aber als GmbH aufgestellt. Gesellschafter sind:

  • Bund (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, BMWK) — Mehrheitsanteil
  • Bundesländer
  • Wirtschaftsverbände (Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft)

Rechtsgrundlage ist das Akkreditierungsstellengesetz (AkkStelleG) in Verbindung mit der EU-Verordnung 765/2008. Diese sieht vor, dass jeder Mitgliedstaat grundsätzlich nur eine nationale Akkreditierungsstelle benennt — die DAkkS ist die allein benannte nationale Akkreditierungsstelle Deutschlands.

Was bedeutet „Akkreditierung"?

Akkreditierung ist die formale Bestätigung der Kompetenz einer Konformitätsbewertungsstelle (also Prüflabor, Zertifizierer, Inspektionsstelle), bestimmte Aufgaben fachlich, organisatorisch und qualitativ ausführen zu können. Akkreditierung ist nicht dasselbe wie Zertifizierung:

  • Zertifizierung — Bestätigung, dass ein Produkt, eine Person oder ein Managementsystem bestimmte Anforderungen erfüllt
  • Akkreditierung — Bestätigung, dass die zertifizierende Stelle selbst kompetent ist, solche Bestätigungen auszustellen

Vereinfachtes Bild: Die DAkkS akkreditiert Zertifizierer; die akkreditierten Zertifizierer zertifizieren dann Personen, Produkte oder Systeme.

Welche Stellen werden akkreditiert?

Prüflabore nach DIN EN ISO/IEC 17025

Die mit Abstand häufigste Akkreditierungsart in der Werkstoffprüfung. Ein Prüflabor, das nach ISO 17025 akkreditiert ist, weist nach, dass:

  • Personal fachlich qualifiziert ist (z.B. Werkstoffprüfer mit aktuellen Stufe-2-Zertifikaten)
  • Geräte regelmäßig kalibriert und überprüft werden
  • Prüfverfahren validiert und dokumentiert sind
  • Messunsicherheiten ermittelt und ausgewiesen werden
  • Räumlichkeiten und Umgebungsbedingungen geeignet sind
  • Datenintegrität und Vertraulichkeit gewährleistet ist

Die ISO-17025-Akkreditierung ist im Geltungsbereich fachspezifisch — ein Labor kann etwa für UT, RT und MT akkreditiert sein, aber nicht für PT. Im Akkreditierungszeugnis ist genau aufgelistet, welche Verfahren und Werkstoffe abgedeckt sind. Wer einen Prüfbericht eines DAkkS-akkreditierten Labors liest, sollte also auch immer den Geltungsbereich (Scope) prüfen.

Inspektionsstellen nach DIN EN ISO/IEC 17020

Inspektionsstellen führen Konformitätsbewertungen vor Ort durch — etwa Bauteilinspektionen, Wareneingangsprüfungen oder regelmäßige Druckbehälterüberprüfungen. ISO 17020 unterscheidet drei Typen:

  • Typ A — vollständig unabhängig (z.B. TÜV, DEKRA, viele klassische Sachverständigenbüros)
  • Typ B — Inspektionsstelle innerhalb einer Organisation, die nur deren eigene Erzeugnisse inspiziert
  • Typ C — Inspektionsstelle, die auch Erzeugnisse anderer inspiziert, aber nicht vollständig unabhängig ist

Personenzertifizierungsstellen nach DIN EN ISO/IEC 17024

Hier liegt der direkteste Berührungspunkt für Werkstoffprüfer. Stellen, die EN ISO 9712-Zertifikate ausgeben, werden in der Praxis nach ISO/IEC 17024 akkreditiert, da dies in vielen Industriebereichen vorausgesetzt wird. In Deutschland sind das u. a. die DGZfP als größte Personenzertifizierungsstelle für ZfP, die TÜV-Organisationen und DEKRA sowie weitere akkreditierte Stellen (z. B. Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten).

Weitere Bereiche

  • ISO/IEC 17021-1 — Zertifizierungsstellen für Managementsysteme (ISO 9001, ISO 14001, IATF 16949 etc.)
  • ISO/IEC 17065 — Produktzertifizierungsstellen
  • ISO 17034 — Hersteller von Referenzmaterialien
  • ISO 17043 — Anbieter von Eignungsprüfungen (Ringversuche)

Ablauf einer Akkreditierung

Ein Prüflabor, das eine ISO-17025-Akkreditierung anstrebt, durchläuft folgende Phasen:

  1. Antragstellung bei der DAkkS — mit Beschreibung des angestrebten Geltungsbereichs (welche Verfahren, welche Werkstoffe, welche Normen)
  2. Vorbereitungsphase — Aufbau von QM-System, Verfahrensanweisungen, Kalibrierdokumentation, Personalqualifikationsmatrix, Validierungsstudien
  3. Begutachtung am Standort — die DAkkS schickt einen Leitenden Begutachter und mehrere fachliche Experten („Fachbegutachter") für ein zwei- bis fünftägiges Vor-Ort-Audit. Geprüft werden Personal, Geräte, Verfahren, Auswertungspraxis und Berichtswesen.
  4. Witnessing — die Begutachter sehen Prüfungen live im Labor durch, beobachten Messung, Auswertung, Dokumentation
  5. Berichts- und Korrekturphase — Abweichungen müssen innerhalb gesetzter Fristen behoben werden
  6. Akkreditierungsentscheidung — durch das DAkkS-Akkreditierungskomitee
  7. Akkreditierungsurkunde mit definiertem Geltungsbereich, gültig für fünf Jahre

Während der fünfjährigen Gültigkeit erfolgen Überwachungsbegutachtungen (typisch jährlich oder alle zwei Jahre) sowie eine Re-Akkreditierungsbegutachtung am Ende.

Kosten einer Akkreditierung

Die Kosten variieren stark mit Größe, Komplexität und Geltungsbereich des Prüflabors. Die folgenden Größenordnungen sind reine Erfahrungswerte und können je nach Einzelfall deutlich abweichen:

  • Erstakkreditierung kleines Labor (z. B. 1–2 Verfahren, wenige Mitarbeitende) — typischerweise im Bereich von 10.000 bis 25.000 Euro reiner DAkkS-Gebühren plus interner Aufwand
  • Mittleres Labor (5–10 Verfahren, 20+ Mitarbeitende) — typischerweise im Bereich von 30.000 bis 80.000 Euro
  • Großes Labor / mehrere Standorte — sechsstellige Beträge sind keine Seltenheit
  • Laufende Überwachungskosten — typisch im Bereich von 5.000 bis 30.000 Euro pro Jahr

Hinzu kommen die internen Vorbereitungs- und Anpassungskosten — diese liegen erfahrungsgemäß deutlich über den reinen DAkkS-Gebühren. Eine ISO-17025-Akkreditierung ist also eine Investition, die ein Labor langfristig planen muss. Im Gegenzug öffnet sie aber Märkte: viele Industriekunden und Behörden arbeiten in der Regel nur mit akkreditierten Laboren, insbesondere im sicherheitsrelevanten Sektor (Druckgeräte, Bahn, Luftfahrt, Kerntechnik).

DAkkS-Symbol und Geltungsbereich

Akkreditierte Stellen dürfen das DAkkS-Symbol verwenden — auf Briefpapier, Webseiten und vor allem auf Prüfberichten. Wichtig: Das Symbol darf nur für Tätigkeiten genutzt werden, die im akkreditierten Geltungsbereich liegen. Wer einen Prüfbericht erhält, der das DAkkS-Logo trägt, sollte prüfen:

  • Ist das berichtende Labor in der Akkreditierungsurkunde aufgeführt?
  • Liegt die durchgeführte Prüfung im Geltungsbereich (z.B. UT-Schweißnahtprüfung an Stahl bis 50 mm Dicke nach EN ISO 17640)?
  • Ist die Akkreditierung noch gültig (Datum der Urkunde + 5 Jahre)?

Die DAkkS pflegt eine öffentliche Akkreditierungsdatenbank, in der alle aktuellen Akkreditierungen samt Geltungsbereich abrufbar sind. Wer einen Dienstleister beauftragen will, sollte dort dessen Eintrag prüfen.

Bedeutung für Werkstoffprüfer im Berufsalltag

Im Prüflabor

Wer in einem akkreditierten Prüflabor arbeitet, lebt mit einem strukturierten QM-System: Verfahrensanweisungen, Kalibrierprotokollen, Geräteüberprüfungslisten, Schulungsmatrizen, Beschwerdebearbeitung. Manche Werkstoffprüfer empfinden das als bürokratischen Aufwand — tatsächlich aber sind diese Strukturen die Grundlage rechtssicherer Prüfberichte und werden im Streitfall wertvoll. Dokumentation und Rückverfolgbarkeit sind nicht Bürokratie, sondern Fachhandwerk.

Bei der Personenzertifizierung

Wenn man als Werkstoffprüfer eine Stufe-1- oder Stufe-2-Prüfung ablegt, spürt man die DAkkS-Akkreditierung indirekt: Die zertifizierende Stelle (etwa DGZfP) muss strenge Standards an die Prüfungsdurchführung halten — Anonymität bei der praktischen Prüfung, Mehraugenkorrektur, Aufzeichnung, Beschwerderecht. All das geht auf ISO 17024 + DAkkS-Audit zurück.

Beim Wechsel des Arbeitgebers

Akkreditierte Labore sind in der Regel attraktivere Arbeitgeber: bessere Strukturen, bessere Geräteausstattung, höhere Gehälter und mehr Möglichkeiten zur fachlichen Weiterentwicklung. Die DAkkS-Datenbank ist eine ausgezeichnete Recherchequelle für die Suche nach seriösen Arbeitgebern in der eigenen Region.

Akkreditierung vs. Notifizierung — was ist der Unterschied?

Im EU-Kontext werden zwei verwandte, aber rechtlich unterschiedliche Begriffe häufig verwechselt:

  • Akkreditierung ist der formale Nachweis fachlicher Kompetenz. Die DAkkS bestätigt damit, dass eine Stelle (Labor, Inspektionsstelle, Zertifizierer) eine bestimmte Tätigkeit nach den anerkannten Normen (z. B. ISO 17025, ISO 17020, ISO 17024) zuverlässig ausführen kann.
  • Notifizierung ist die staatliche Benennung einer Stelle für Konformitätsbewertungs­aufgaben im Rahmen einer EU-Richtlinie (z. B. der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU oder der Bauproduktenverordnung). Die benannte Stelle (Notified Body, NB-Nummer) darf Aufgaben der gesetzlichen Konformitätsbewertung übernehmen, die ohne ihre Beteiligung nicht zulässig wären.

Beide Mechanismen ergänzen sich in der Praxis: Eine Stelle wird häufig erst von der DAkkS akkreditiert (Kompetenznachweis) und kann sich anschließend bei der zuständigen Bundesbehörde (z. B. BMAS, BMWK) als Benannte Stelle für eine bestimmte EU-Richtlinie notifizieren lassen. Die Akkreditierung ist hier in der Regel Voraussetzung, ersetzt aber nicht die staatliche Benennung. Wer als Werkstoffprüfer in Bereichen mit CE-Konformitätsbewertung arbeitet (insbesondere Druckgeräte und Bauprodukte), trifft daher häufig auf TÜV oder DEKRA in einer Doppelrolle — als akkreditierte Stelle und als Benannte Stelle.

Internationale Vernetzung

Die DAkkS ist Mitglied bzw. Signatar in mehreren internationalen Akkreditierungsorganisationen:

  • EA (European co-operation for Accreditation) — europäische Dachorganisation
  • ILAC (International Laboratory Accreditation Cooperation) — weltweite Dachorganisation für Prüflabore
  • IAF (International Accreditation Forum) — weltweite Dachorganisation für Zertifizierungsstellen

Über diese multilateralen Anerkennungsabkommen (MLA / MRA) wird ein DAkkS-Akkreditierungssymbol weltweit anerkannt. Ein deutsches akkreditiertes Labor kann seine Prüfberichte ohne erneute Akkreditierung in den USA, Japan, China oder Brasilien einreichen.

Häufige Missverständnisse

„Akkreditierte Stellen prüfen besser"

Nicht zwangsläufig. Akkreditierung ist ein Nachweis von Kompetenz und Strukturen, keine Garantie für die Qualität jeder einzelnen Messung. Ein erfahrener Stufe-2-UT-Prüfer in einem nicht-akkreditierten Werksmittellabor kann ebenso gute Ergebnisse liefern. Akkreditierung sichert allerdings die Reproduzierbarkeit, die Rückverfolgbarkeit und die Nachvollziehbarkeit — und das ist es, was im Schadensfall vor Gericht zählt.

„DAkkS-Akkreditierung ist Pflicht"

Pauschal nein. Privatrechtliche Prüfungen können auch ohne Akkreditierung durchgeführt werden. Aber: Viele Industriekunden und Behörden arbeiten in der Regel nur mit akkreditierten Laboren, und der regulierte Bereich (Druckgeräte, Bahn, Luftfahrt, Kerntechnik) verlangt sie häufig explizit. Wer in diesen Märkten arbeiten will, kommt an ISO 17025 in den meisten Fällen nicht vorbei.

„DAkkS und ISO 9001 sind dasselbe"

Nein. ISO 9001 ist eine generische Norm für Qualitätsmanagement-Systeme, die in praktisch jedem Unternehmen anwendbar ist. ISO 17025 geht deutlich darüber hinaus: Sie verlangt zusätzlich technische Kompetenz, validierte Verfahren, Messunsicherheitsbestimmung und ein spezifisches QM-System für Prüfungen. ISO 17025 basiert teilweise auf den Grundprinzipien der ISO 9001, geht jedoch deutlich darüber hinaus und ist auf Prüf- und Kalibrierlaboratorien zugeschnitten.

Praxis-Tipps

Wenn du ein akkreditiertes Labor suchst

Nutze die öffentliche DAkkS-Datenbank. Dort kannst du nach Akkreditierungsnummer, Standort, Verfahren oder Branche suchen. Achte beim Geltungsbereich auf konkrete Norm-Nennungen (z.B. „EN ISO 17640 — UT-Prüfung an Schweißnähten").

Wenn du selbst eine Akkreditierung planst

Plane mindestens 12–18 Monate Vorbereitungszeit. Die häufigsten Stolpersteine: unzureichende Validierung, fehlende Messunsicherheitsabschätzung und nicht ausreichend dokumentierte Personalqualifikation. Externe Beratung lohnt sich für Erstakkreditierungen fast immer.

Wenn du Kunde bist

Frag im Bestellprozess gezielt nach dem Akkreditierungsumfang. „Sind Sie nach ISO 17025 akkreditiert?" reicht nicht — die Folgefrage muss lauten: „Liegt die von uns benötigte Prüfung in Ihrem Geltungsbereich? Bitte Akkreditierungsurkunde zusenden."

Fazit

Die DAkkS ist die unsichtbare, aber unverzichtbare Architektur der deutschen Prüflandschaft. Wer als Werkstoffprüfer in einem akkreditierten Labor arbeitet, lebt täglich mit den Strukturen, die DAkkS-Audits erzwingen — und genau diese Strukturen sind es, die Prüfberichten ihre rechtliche und fachliche Verlässlichkeit geben. Wer in der Werkstoffprüfung Karriere machen will, sollte ISO 17025 zumindest in den Grundzügen kennen und das Akkreditierungssymbol auf eigenen Berichten lesen können.

Kategorie
verbaende
Inhaltsverzeichnis
Relevante Normen
  • DIN EN ISO/IEC 17025
  • DIN EN ISO/IEC 17020
  • DIN EN ISO/IEC 17024
  • DIN EN ISO/IEC 17021
  • DIN EN ISO/IEC 17065
  • EU 765/2008
  • AkkStelleG
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Eine DAkkS-Akkreditierung gilt nur im definierten Geltungsbereich. Beim Lesen eines Prüfberichts immer auch den Scope der Akkreditierung prüfen.

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