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Metallographie

Zerstörend
Die Metallographie untersucht Gefüge und Mikrostruktur metallischer Werkstoffe durch Schliffherstellung, chemisches Ätzen und Lichtmikroskopie. Sie ist ein Kernbestandteil der Werkstoffprüfer-Ausbildung und Qualitätssicherung.
Geltende Normen

DIN EN ISO 9227, DIN EN ISO 4628, DIN EN ISO 3651, VDA 233-102, ASTM B 117, EN ISO 11846

Korrosion als Werkstoffproblem

Korrosion verursacht weltweit volkswirtschaftliche Schäden von geschätzt 3–4 % des Bruttoinlandsprodukts — mehr als alle Naturkatastrophen zusammen. Für Werkstoffprüfer ist die Korrosionsprüfung daher ein zentrales Arbeitsfeld: Werkstoffe, Beschichtungen und Oberflächenbehandlungen werden auf ihre Korrosionsbeständigkeit charakterisiert.

Korrosionsarten

KorrosionsartCharakteristikBetroffene Werkstoffe
Gleichmäßige FlächenkorrosionGleichmäßiger AbtragUnlegierte Stähle ohne Schutz
LochfraßkorrosionTiefe, eng begrenzte LöcherEdelstahl (Cl⁻ in Wasser)
SpaltkorrosionIn Spalten und ÜberlappungenEdelstahl, Aluminium
KontaktkorrosionGalvanisches Element zweier MetalleStahl + Kupfer, Alu + Stahl
Interkristalline KorrosionEntlang der KorngrenzenSensitisierter Edelstahl, Alu
Spannungsrisskorrosion (SRK)Risse unter kombinierter Spannung + MediumHochfeste Stähle, Messing
ErosionskorrosionAbrasion + chemischer AngriffRohrleitungsbogen, Pumpen

Salzsprühtest (Salznebelprüfung)

Der Salzsprühtest ist die am weitesten verbreitete beschleunigte Korrosionsprüfung:

  • 5 % NaCl-Lösung wird bei 35 °C vernebelt → korrosive Atmosphäre
  • Prüfdauer: 24 h bis 1.000 h je nach Anforderung
  • Bewertung: Rotrostgrad, Blasengrad, Enthaftungsgrad (Skalen nach EN ISO 4628)
  • NSS (Neutral Salt Spray): Standard, pH 6,5–7,2
  • AASS (Acetic Acid Salt Spray): Essigsäure zugesetzt, aggressiver — für Dekorchrom, Anodisierung
  • CASS (Copper Accelerated Salt Spray): Mit Kupferchlorid — für Nickel/Chromschichten

Wechselklimapüfung

Realistischer als Salzsprühtest: Kombination aus Befeuchtung, Trocknen, Salzsprühen und UV-Belastung in wechselnden Zyklen. Normiertes Beispiel: VDA 233-102 (Automobilindustrie) mit Kältephasen bis −15 °C und Feuchtphasen bei 50 °C.

Elektrochemische Prüfmethoden

  • Potentiostatische Messung (Tafel-Plot): Korrosionspotenzial und Korrosionsstromdichte
  • Lochfraßpotenzial: Spannung bei der Lochfraß einsetzt (Pitting Potential)
  • EIS (Elektrochemische Impedanzspektroskopie): Beurteilung von Beschichtungsintegrität und Korrosionsschutzwirkung

Interkristalline Korrosion (IK-Prüfung)

Wichtig für austenitische Stähle: Sensitisierung durch Chromkarbidausscheidung an Korngrenzen. Prüfung nach DIN EN ISO 3651 — Biegeversuch nach Säureauslagerung (Strauss-Test).

Normen

  • DIN EN ISO 9227: Salzsprühprüfung (NSS, AASS, CASS)
  • DIN EN ISO 4628: Bewertung von Beschichtungen (Rostgrad, Blasengrad)
  • DIN EN ISO 3651: Interkristalline Korrosion von Edelstählen
  • VDA 233-102: Wechselklimaprüfung Automobil
  • ASTM B 117: Salzsprühtest (USA)
  • EN ISO 11846: Interkristalline Korrosion von Aluminiumlegierungen

Anwendungsgebiete

Automobilindustrie (Beschichtungsqualifikation), Schiff- und Offshore-Technik, Bauindustrie (Bewehrungsstahl), Chemie- und Prozessanlagen, Medizintechnik (Implantatwerkstoffe), Luft- und Raumfahrt (Aluminium- und Titanstrukturen)

✓ Vorteile
  • Beschleunigte Prüfung ermöglicht Langzeitvorhersagen
  • Salzsprühtest standardisiert und gut reproduzierbar
  • Elektrochemische Methoden geben mechanistische Einblicke
  • Vergleich von Werkstoffen und Beschichtungen möglich
  • Geeignet für Eingangs- und Qualitätskontrolle
✗ Nachteile
  • Beschleunigte Tests entsprechen nicht immer realen Bedingungen
  • Korrelation zu Freibewitterung oft eingeschränkt
  • Streuung der Ergebnisse bei Salzsprühtest hoch
  • Elektrochemische Methoden erfordern Spezialkenntnisse
  • Probennahme und Geometrie beeinflussen Ergebnis stark