HT

Härteprüfung

Zerstörend
Die Härteprüfung (HT) misst den Widerstand eines Werkstoffs gegen plastische Verformung durch einen Eindringkörper — grundlegend für die Werkstoffcharakterisierung und Qualitätssicherung von Wärmebehandlungsprozessen.
Geltende Normen

EN ISO 6507 (Vickers), EN ISO 6506 (Brinell), EN ISO 6508 (Rockwell)

Grundprinzip der Härteprüfung

Bei der Härteprüfung (HT — Hardness Testing) wird ein definierter Eindringkörper mit einer genormten Prüfkraft in die Werkstoffoberfläche gedrückt. Die verbleibende Eindruckgröße oder Eindringtiefe bestimmt die Härte. Die wichtigsten Verfahren:

  • Vickers (HV): Diamantpyramide, universell für alle Werkstoffe und Härtebereiche; EN ISO 6507
  • Brinell (HBW): Hartmetallkugel, für weiche bis mittelharte Werkstoffe; EN ISO 6506
  • Rockwell (HR): Kegel oder Kugel, schnelles Prüfverfahren in der Serienfertigung; EN ISO 6508
  • Vickers Kleinlast / Mikrohärte: Für dünne Schichten, Gefügebestandteile, Schweißnähte

Was macht ein Härteprüfer?

  • Präparation: Oberfläche schleifen oder polieren, Probenlage ausrichten
  • Gerätekalibrierung: Rückverfolgbarkeit auf Referenzplatten sicherstellen
  • Messung: Eindrücke setzen, Diagonalen messen (Vickers/Brinell) oder Tiefe ablesen (Rockwell)
  • Härtekurven: Härteverlauf über Einhärtetiefe (z.B. Randschichthärtetiefe nach EN ISO 2639)
  • Auswertung: Mittelwerte, Streuung, Bewertung gegen Vorgabewerte, Prüfbericht

Härteprüfer sind in Fertigung, Qualitätssicherung, Werkstofflabors und Wärmebehandlungsbetrieben tätig. Portable Härteprüfer (Leeb, UCI) werden auch auf Großbauteilen im Feld eingesetzt.

Einsatzbranchen

  • Automotive: Gehärtete Getriebe- und Motorbauteile
  • Wärmebehandlung: Qualitätssicherung nach Einsatz-, Induktions- oder Nitrierhärten
  • Anlagenbau: Schweißnahtprüfung — Härtespitzen in der Wärmeeinflusszone (WEZ)
  • Werkzeugbau: Schneidwerkzeuge, Formen und Matrizen
  • Forschung: Werkstoffentwicklung und Mikrohärte-Analysen

Anwendungsgebiete

Qualitätskontrolle gehärteter Bauteile, Überprüfung von Wärmebehandlungsergebnissen (Einsatzhärten, Nitrierhärten), Schweißnahtprüfung (Härtespitzen im WEZ), Werkstoffsortierung, Härtetiefenverlauf (Härtekurven).

✓ Vorteile
  • Schnell und kostengünstig durchführbar
  • Korreliert mit Zugfestigkeit und erlaubt Rückschlüsse auf mechanische Eigenschaften
  • Portable Geräte für Feldprüfungen verfügbar
  • Verschiedene Skalen für alle Härteebenen (weich bis hartmetall)
  • Weitgehend zerstörungsfrei — nur kleiner Eindruck auf der Oberfläche
✗ Nachteile
  • Nur punktuelle Messung — keine Aussage über Volumeneigenschaften
  • Oberfläche muss sauber und eben sein
  • Verschiedene Skalen nicht immer direkt vergleichbar
  • Wanddicke muss mindestens 10× Eindruckdiagonale betragen