Schweißnahtprüfung ist mehr als „mal mit UT drübergehen": Sie folgt einer festen Logik von der Qualitätsanforderung bis zum Bericht. Wer diese Kette versteht, vermeidet die häufigsten Streitfälle zwischen Fertigung, Prüfung und Auftraggeber.
Schritt 1: Bewertungsgruppe festlegen
Am Anfang steht nicht das Prüfverfahren, sondern die Qualitätsanforderung: EN ISO 5817 definiert die Bewertungsgruppen B (hoch), C (mittel) und D (niedrig) für Unregelmäßigkeiten. Welche Gruppe gilt, bestimmt das Anwendungsregelwerk (z. B. EN 1090 nach Ausführungsklasse) oder die Zeichnung — nicht der Prüfer.
Schritt 2: Prüfumfang und Verfahren nach EN ISO 17635
EN ISO 17635 ordnet der Bewertungsgruppe die geeigneten Verfahren zu, abhängig von Werkstoff, Nahtart und Dicke. Typische Kette: 100 % Sichtprüfung (VT) an allem, Oberflächenverfahren (MT/PT) und volumetrische Prüfung (UT/RT) als Stichprobe oder vollumfänglich je nach Klasse. Der Prüfumfang gehört in den Prüfplan — vor Fertigungsbeginn.
Schritt 3: Prüfzeitpunkt beachten
Verzugsgefahr und Kaltrissneigung diktieren den Zeitpunkt: Bei kaltrissempfindlichen Stählen (hochfest, dickwandig) schreiben Regelwerke eine Wartezeit von typischerweise 16–48 Stunden nach dem Schweißen vor, bevor MT/UT erfolgen — wasserstoffinduzierte Risse entstehen verzögert.
Schritt 4: Durchführung mit qualifiziertem Personal
Die Verfahrensnormen (VT: EN ISO 17637, MT: EN ISO 17638, UT: EN ISO 17640, RT: EN ISO 17636) regeln die Technik; das Personal ist nach EN ISO 9712 qualifiziert. Bewertet wird gegen die Zulässigkeitsgrenzen der zugehörigen Bewertungsnormen (z. B. EN ISO 11666 für UT, EN ISO 23278 für MT) — die wiederum an die Bewertungsgruppe aus Schritt 1 gekoppelt sind.
Schritt 5: Befundbewertung und Reparaturschleife
Unzulässige Befunde führen zur Reparatur — und die reparierte Stelle wird vollständig neu geprüft, in der Regel mit erweitertem Umfang der angrenzenden Bereiche. Mehrfachreparaturen an derselben Stelle verschlechtern das Gefüge; viele Regelwerke begrenzen sie auf zwei Versuche.
Schritt 6: Dokumentation
Der Bericht macht die Prüfung erst verwertbar — Pflichtinhalte und typische Mängel im Artikel Der ZfP-Prüfbericht. Bei Bauprodukten nach EN 1090 ist die lückenlose Dokumentationskette Voraussetzung für die CE-Kennzeichnung.