EN ISO 10675 – Bewertungsstufen für RT-Befunde an Schweißnähten
Die Norm EN ISO 10675 legt Annahmekriterien für radiographische Befunde (RT) an Schweißnähten in metallischen Werkstoffen fest. Sie ist in zwei Teile gegliedert: Teil 1 für Stahl, Nickel, Titan und deren Legierungen, Teil 2 für Aluminium und dessen Legierungen.
Bewertungsstufen
EN ISO 10675 unterscheidet drei Bewertungsstufen:
- Stufe 1: Strengste Anforderungen; entspricht Qualitätsstufe B nach EN ISO 5817; für höchste Sicherheitsanforderungen (Druckbehälter Kategorie III/IV, sicherheitsrelevante Strukturen)
- Stufe 2: Mittlere Anforderungen; entspricht Qualitätsstufe C nach EN ISO 5817; allgemeine Schweißkonstruktionen
- Stufe 3: Geringste Anforderungen; entspricht Qualitätsstufe D nach EN ISO 5817; weniger beanspruchte Bauteile
Klassifikation der Unregelmäßigkeiten
Radiographisch erkennbare Schweißnahtfehler werden in folgende Typen eingeteilt:
- Risse (Typ 1): In keiner Bewertungsstufe zulässig
- Poren (Typ 2): Einzelporen, Porennester, Porenzeilen; Bewertung nach Einzelgröße (% der Wanddicke) und Häufungsfläche
- Feste Einschlüsse (Typ 3): Schlacke, Wolfram, Oxide; nach Länge und Breite bewertet
- Bindungsmängel und Wurzelfehler (Typ 4, 5): Einbrandkerben, Wurzelrückfall, unvollständige Erfassung; strenge Grenzwerte
- Formfehler (Typ 6): Nahtüberhöhung, Kantenversatz; geometrisch definierte Grenzwerte
Bewertungsverfahren
Die Bewertung erfolgt durch Vergleich der im Radiogramm sichtbaren Anzeigen mit den tabellierten Grenzwerten. Die Fehlergröße wird im Radiogramm gemessen; bei volumetrischen Fehlern wird die größte Ausdehnung (Länge, Breite oder Durchmesser) herangezogen. Alle Messungen beziehen sich auf die projizierte Darstellung im Radiogramm.
Anwendung
EN ISO 10675 wird angewandt in Verbindung mit den Prüfnormen EN ISO 17636-1 (Filmradiographie) und EN ISO 17636-2 (digitale Radiographie). Referenziert wird sie in EN 13445, EN 13480, AD 2000, ASME-Sections sowie nationalen Druckgeräteregelwerken.