ISO 6520-1 – Klassifikation von Schweißunregelmäßigkeiten
Die Norm ISO 6520-1 ist das grundlegende Klassifikationswerk für Unregelmäßigkeiten in Schmelzschweißverbindungen von Metallen. Sie systematisiert alle möglichen Schweißfehlertypen in sechs Hauptgruppen und weist ihnen numerische Kennziffern zu, die international einheitlich verwendet werden.
Gruppe 1: Risse
Gruppe 1 umfasst alle rissartigen Unregelmäßigkeiten mit scharfer Rissspitze:
- 100: Riss (allgemein)
- 101: Längsriss, 102: Querriss, 103: Sternriss
- 104: Kraterriss, 105: Trennriss, 106: Verzeigter Riss
- Heißrisse (111–113): Erstarrungsriss, Wiederaufschmelzriss, Warmriss
- Kaltrisse / wasserstoffinduzierte Risse (121–123)
- Lamellartrennungen (141)
Gruppe 2: Hohlräume
Gruppe 2 erfasst gasförmige Einschlüsse und Lunker:
- 2011: Einzelpore, 2012: Gleichmäßig verteilte Poren, 2013: Porengruppe, 2014: Porenzeile
- 202: Langgestreckte Hohlräume (Pfeifenporigkeit)
- 203: Endkrater-Lunker
Gruppe 3: Feste Einschlüsse
Gruppe 3 beinhaltet nichtmetallische und metallische Einschlüsse:
- 301: Schlackeneinschluss (linienförmig, einzeln, verteilt)
- 302: Flussmitteleinschluss
- 303: Oxideinschluss
- 304: Metallischer Einschluss (z. B. Wolfram bei WIG-Schweißung)
Gruppe 4: Bindefehler und unvollständige Durchschweißung
- 401: Bindefehler (lack of fusion) – zwischen Schweißgut und Grundwerkstoff oder Schweißlagen
- 402: Unvollständige Durchschweißung (incomplete penetration)
Gruppe 5: Formfehler und sonstige Oberflächenunregelmäßigkeiten
- 501/502: Nahtüberhöhung (Stumpfnaht / Kehlnaht)
- 504: Einbrandkerbe, 505: Wurzeleinbrand
- 510: Anschmelzung (undercut), 511: Wurzelrückfall
- 515/516: Durchbrand, 517: Ungleichmäßige Nahtbreite
- 521: Kantenversatz (linear misalignment)
Gruppe 6: Sonstige Unregelmäßigkeiten
Gruppe 6 erfasst Zündstellen (601), Spritzer (602), Schleifriefen, fehlerhafte Nachbehandlung und andere nicht in Gruppen 1–5 erfasste Unregelmäßigkeiten. Die ISO 6520-1-Kennziffern sind Grundlage für die Bewertungsnormen EN ISO 5817, EN ISO 10042 und alle produktspezifischen Annahmenormen.