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Akzeptanzkriterien festlegen

Akzeptanzkriterien in der ZfP definieren normbasierte Grenzen zwischen konformen und nicht konformen Befunden und sind je nach Bauteil, Verfahren und Sicherheitsanforderung aus Produkt- oder Branchennormen abzuleiten.

Akzeptanzkriterien in der ZfP festlegen

Akzeptanzkriterien definieren die Grenze zwischen einem als konform bewerteten und einem als nicht konform bewerteten Prüfbefund. Sie sind das Bindeglied zwischen dem physikalischen Prüfergebnis — einer Anzeige — und der technischen Entscheidung über die Verwendbarkeit des Bauteils. Falsch festgelegte Akzeptanzkriterien können zu unnötigen Ausschüssen (zu streng) oder zu sicherheitsrelevanten Fehlern im Betrieb (zu lax) führen.

Normbezug und Herkunft der Kriterien

Akzeptanzkriterien stammen aus verschiedenen Quellen:

  • Produktnormen: Legen anwendungsspezifische Kriterien fest, z. B. EN ISO 11666 (UT Schweißnähte), EN ISO 10675 (RT Schweißnähte), EN ISO 23278 (MT Schweißnähte), EN ISO 23277 (PT Schweißnähte).
  • Regelwerke: AD 2000 Merkblatt HP 5/3 (Druckbehälter), ASME Section VIII (amerikanischer Druckbehälterstandard), RCC-M (Kerntechnik Frankreich).
  • Kundenspezifikationen: Hersteller oder Auftraggeber können strengere Kriterien vorgeben als Normen fordern.
  • Branchenstandards: AWS D1.1 (Stahlschweißen), DNV-ST-F101 (Offshore-Pipelines), ASME B31.3 (Rohrleitungen).

Bewertungsstufen

Viele Normen definieren abgestufte Akzeptanzklassen je nach Anforderungsniveau:

  • EN ISO 17635 / EN ISO 5817: Bewertungsgruppen B (höchste Anforderungen), C (mittlere Anforderungen) und D (normale Anforderungen) für Schweißnahtbewertung.
  • ASME: Acceptance Level I, II, III nach Wanddicke und Prüfklasse.
  • EN ISO 11666 (UT): Prüfklasse A, B, C — je höher die Klasse, desto anspruchsvoller die Anforderungen und desto enger die Akzeptanzgrenzen.

Anzeigenklassifikation und Bewertungsschritte

Die Bewertung eines Befunds erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Registrierschwelle: Unterhalb dieser Schwelle werden Anzeigen nicht aufgezeichnet (z. B. Echohöhe < 20 % der Bezugsechohöhe).
  2. Aufzeichnungsschwelle: Anzeigen oberhalb dieser Schwelle werden im Bericht dokumentiert.
  3. Bewertungsschwelle: Anzeigen müssen charakterisiert und bewertet werden (rissartig, flächig, voluminös).
  4. Akzeptanzgrenze: Überschreitung führt zur Ablehnung oder Reparaturanweisung.

Einfluss auf die Befundklassifikation

Die Art des Reflektors beeinflusst die Bewertung maßgeblich:

  • Rissartige (planare) Anzeigen: Streng bewertet, da Risse als Spannungskonzentratoren wirken. In der Regel nicht akzeptabel in tragenden Konstruktionen.
  • Volumetrische Anzeigen (Poren, Einschlüsse): Je nach Größe, Häufung und Lage bewertet. Normen geben maximale Einzel- und Gesamtporositätsgrenzen an.
  • Geometrische Anzeigen: Einbrandkerben, Wurzeldurchhang — nach EN ISO 5817 bewertet.

Wenn kein normatives Akzeptanzkriterium existiert, kann eine fraktomechanische Bewertung (Fitness-for-Service, z. B. nach BS 7910 oder API 579) durchgeführt werden, die auf Basis der Bruchmechanik die zulässige Fehlergröße für den spezifischen Anwendungsfall berechnet.

Quellen & weiterführende Literatur
Inhaltsverzeichnis
Relevante Normen
  • EN ISO 11666
  • EN ISO 10675
  • EN ISO 23278
  • EN ISO 23277
  • EN ISO 17635
  • EN ISO 5817
  • ISO 11666
  • ISO 10675
  • ISO 23278
  • ISO 23277
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