CVN

Kerbschlagbiegeversuch

Zerstörend
Der Kerbschlagbiegeversuch (CVN / Charpy) bestimmt die Zähigkeit eines Werkstoffs bei schlagartiger Beanspruchung — besonders wichtig für Tieftemperaturanwendungen und Druckbehälter.
Geltende Normen

EN ISO 148-1, DIN EN 10045

Grundprinzip des Kerbschlagbiegeversuchs

Beim Kerbschlagbiegeversuch (Charpy / CVN) wird eine gekerbte Probe (10×10 mm, V- oder U-Kerb) auf zwei Auflager gelegt und von einem Pendelhammer (300 J oder 150 J) schlagartig gebrochen. Die absorbierte Kerbschlagarbeit KV (in Joule) ist ein Maß für die Zähigkeit des Werkstoffs.

Besonders relevant ist der Sprödbruch-Übergang (DBTT): Stähle können bei tiefen Temperaturen spontan spröde brechen. Der Charpy-Versuch bei verschiedenen Temperaturen (z.B. −60 °C bis +20 °C) zeigt diesen Übergang.

Was macht ein Werkstoffprüfer im Kerbschlagversuch?

  • Probenvorbereitung: Entnahme aus Werkstück, Kerb fräsen nach EN ISO 148 (V oder U, Toleranzen < 0,1 mm)
  • Temperierung: Proben auf Prüftemperatur kühlen (Kühlbad, Stickstoff) oder erwärmen — Transfer in < 5 s
  • Prüfung: Probe einlegen, Pendel lösen, KV-Wert ablesen
  • Bruchflächenauswertung: Anteil Spaltbruch/Gleitbruch (in %), Seitenkontraktion messen
  • Auswertung: Mittelwert aus 3 Proben, Einzelwert-Kontrolle, Prüfbericht nach EN 10204

Kerbschlagprüfer arbeiten in akkreditierten Werkstofflabors, Stahl- und Giessereien sowie bei Schiffs- und Druckbehälterherstellern.

Einsatzbranchen

  • Offshore / Schiffbau: Tieftemperaturstähle für arktische Anwendungen (IACS W11)
  • Energietechnik: Druckbehälterstähle (EN 10028, ASME SA-333)
  • Schweißtechnik: Zähigkeit der Wärmeeinflusszone (WEZ) nach EN ISO 15614
  • Automotive: Crash-relevante Bauteile, Karosseriestähle
  • Kranbau: Tragende Strukturen nach EN 13001

Anwendungsgebiete

Stähle für Tief- und Tiefsttemperaturanwendungen (LNG-Behälter, Offshore), Druckbehälter und Rohrleitungen nach Druckgeräterichtlinie, Schweißnahtprüfung (WEZ-Zähigkeit), Schiffsstahl, Brücken und Krane.

Vorteile
  • Einfach und schnell — Prüfung in Sekunden
  • Zeigt Sprödbruch-Risiko bei Tieftemperatur sehr deutlich
  • International genormt und breit akzeptiert (EN ISO 148, ASTM E23)
  • Aussagekräftig für Sprödbruch-Übergangstemperatur (DBTT)
Nachteile
  • Zerstörend — Probe wird zerstört
  • Nur ein einziger Messwert (Energieabsorption) — keine Spannungsintensität
  • Ergebnis sehr streuend — mindestens 3 Proben je Prüfpunkt nötig
  • Kein direkter Übergang zu Bruchmechanik-Kennwerten

Häufige Fragen zur Kerbschlagbiegeversuch

Was ist der Kerbschlagbiegeversuch?
Der Kerbschlagbiegeversuch (CVN / Charpy) bestimmt die Zähigkeit eines Werkstoffs bei schlagartiger Beanspruchung — besonders wichtig für Tieftemperaturanwendungen und Druckbehälter.
Welche Normen gelten für den Kerbschlagbiegeversuch?
Die wichtigsten Normen sind: EN ISO 148-1, DIN EN 10045. Die im Einzelfall verbindliche Norm legt das Anwendungsregelwerk bzw. die Bestellung fest.
Wer darf den Kerbschlagbiegeversuch durchführen?
Die Prüfung übernehmen qualifizierte Werkstoffprüflabore — für Zeugnisse mit normativer Außenwirkung in der Regel akkreditiert nach EN ISO/IEC 17025.
Was kostet ein Kerbschlagbiegeversuch?
Die Kosten hängen von Prüfumfang, Zugänglichkeit und Dokumentationstiefe ab. Zertifiziertes Stufe-2-Personal liegt typischerweise bei 70–120 € pro Stunde, Laborprüfungen werden meist je Probe abgerechnet. Über unsere kostenlose Angebotsanfrage erhalten Sie konkrete Preise passender Dienstleister.
Wo finde ich Dienstleister für den Kerbschlagbiegeversuch?
Auf Werkstoffprüfer.com finden Sie qualifizierte Anbieter für die CVN-Prüfung nach Region — darunter FGZP-Mitgliedsbetriebe. Über die Angebotsanfrage erreichen Sie kostenlos bis zu fünf passende Dienstleister.