DSV

Fatigue Testing

Destructive Testing
Fatigue testing determines the behaviour of materials and components under cyclic loading. The result is the Wöhler curve with endurance limit or finite fatigue life values.
Applicable Standards

DIN 50100, ISO 1099, ASTM E 466, ASTM E 606

Warum Ermüdung prüfen?

Etwa 80–90 % aller Bauteilbrüche in der Praxis sind auf Ermüdung zurückzuführen — nicht auf statische Überlastung. Ein Bauteil, das statisch eine Last von 1.000 N problemlos trägt, kann bei 100.000-facher Wiederholung einer Kraft von 400 N versagen. Ermüdung entsteht durch die langsame Ausbreitung von Mikrorissen unter Wechselbeanspruchung.

Wöhlerkurve (S-N-Kurve)

Die Wöhlerkurve (nach August Wöhler, 1870) stellt die Bruchlastspielzahl N (Anzahl Zyklen) in Abhängigkeit von der Spannungsamplitude σₐ dar:

  • Zeitfestigkeitsbereich: Hohe Spannungen → Bruch nach relativ wenigen Zyklen (10³–10⁶)
  • Dauerfestigkeitsbereich (Stahl): Unterhalb der Dauerfestigkeit σ_D → kein Bruch bis N → ∞
  • Achtung bei Aluminium und Titan: Keine echte Dauerfestigkeit — Bruch auch bei niedrigen Amplituden nach sehr vielen Zyklen möglich (Gigacycle-Fatigue)

Prüfmaschinen und -verfahren

MaschinentypBeanspruchungFrequenz
Umlaufbiegeprüfmaschine (Amsler, Schenck)Biegung, R = −120–60 Hz
Servohydraulische PrüfmaschineZug/Druck, beliebiges R1–50 Hz
Ultraschall-ErmüdungsprüfmaschineZug/Druck20.000 Hz (Very High Cycle)
ResonanzprüfmaschineZug/Druck50–300 Hz

Einflussfaktoren auf die Ermüdungsfestigkeit

  • Oberfläche: Rauheit (Kerben!), Eigenspannungen (Kugelstrahlen erhöht Ermüdungsfestigkeit)
  • Kerbwirkung: Querschnittsübergänge, Bohrungen, Gewinde — deutliche Absenkung
  • Mittelspannung: Zugmittelspannung senkt, Druckmittelspannung erhöht die Ermüdungsfestigkeit
  • Korrosion: Korrosionsermüdung — Kombination aus Ermüdung und Korrosion ist besonders gefährlich
  • Temperatur: Kriechen bei hohen Temperaturen überlagert Ermüdung

Schädigungshypothesen

Die lineare Schadensakkumulationshypothese (Miner-Regel) berechnet die Schädigung bei variablen Amplituden: D = Σ(nᵢ / Nᵢ). Bruch tritt auf wenn D ≥ 1 (in der Praxis konservativ mit D < 0,3 bis 0,5 ausgelegt).

Normen

  • DIN 50100: Schwingfestigkeitsversuch — Durchführung und Auswertung
  • ISO 1099: Metallische Werkstoffe — Wechselbiegeprüfung
  • ASTM E 466: Axiale Ermüdungsprüfung (USA)
  • ASTM E 606: Dehnungsgeregelter Ermüdungsversuch (Low Cycle Fatigue)

Application Areas

Auslegung von Maschinenteilen (Wellen, Federn, Zahnräder), Validierung von Schweißkonstruktionen, Luftfahrtzulassung (Damage Tolerance), Automobilindustrie (Fahrwerkskomponenten), Windenergieanlagen (Rotorblatt-Zertifizierung)

✓ Advantages
  • Einziges Verfahren das zyklisches Versagen direkt bestimmt
  • Wöhlerkurve liefert quantitative Auslegungsgrundlage
  • Verschiedene Frequenzen für kurze oder sehr lange Laufzeiten
  • Dehnungsgeregelte Versuche für Niederlastspielzahlbereich möglich
  • Proben- oder bauteilnah prüfbar
✗ Disadvantages
  • Zerstörend und zeitaufwändig (Wochen bis Monate für vollständige Wöhlerkurve)
  • Großer Probenverbrauch (statistisch: min. 10–15 Proben je Spannungsniveau)
  • Streuung der Ergebnisse ist inhärent — statistische Auswertung erforderlich
  • Übertragbarkeit von Proben- auf Bauteilebene eingeschränkt
  • Sehr teuer bei realitätsnaher Bauteilprüfung