Offshore-Windparks, Plattformen, Spundwände und Hafenanlagen altern unter Wasser — geprüft werden müssen sie trotzdem. Die Unterwasser-ZfP ist eine eigene Disziplin mit angepasster Technik, spezieller Personalqualifikation und harten logistischen Randbedingungen.
Was unter Wasser anders ist
- Sichtverhältnisse: Trübung, Bewuchs und Schwebstoffe machen die Sichtprüfung aufwendig — mariner Bewuchs muss vor jeder Prüfung großflächig entfernt werden (Reinigung ist oft der größte Kostenblock).
- Ankopplung ist geschenkt: Für UT ist Wasser das ideale Koppelmedium — ein seltener Vorteil.
- Begrenzte Zeit: Tauchereinsätze sind durch Dekompressionsregeln streng limitiert; jede Minute am Bauteil zählt.
- Dokumentation aus der Ferne: Topside-Personal bewertet live über Video und Datenübertragung, der Taucher führt.
Die wichtigsten Verfahren unter Wasser
- Visuelle Inspektion (GVI/CVI): durch Taucher oder ROV mit Kameras — die Basis jeder Inspektionskampagne.
- UT-Wanddickenmessung: mit druckwasserdichten Geräten; Standard für Korrosionsüberwachung an Monopiles, Spundwänden und Pipelines.
- ACFM: die Wechselstrom-Feldmessung findet und dimensioniert Oberflächenrisse an Schweißnähten durch Beschichtung und leichten Bewuchs hindurch — der Standard für Knotenpunkte an Stahlstrukturen.
- MT unter Wasser: mit wasserfesten fluoreszierenden Suspensionen und UV-Lampen — aufwendig, aber normativ etabliert.
- Kathodenschutz-Messung: Potenzialmessungen prüfen, ob der kathodische Korrosionsschutz (Opferanoden) wirkt — Regelwerk z. B. DNV-RP-B401.
ROV statt Taucher: der Trend
Remotely Operated Vehicles übernehmen zunehmend Inspektionsaufgaben — tiefer, länger und ohne Personenrisiko. Moderne Arbeits-ROVs führen UT-Sonden, Kathodenschutz-Messungen und HD-Kameras; die Bewertung erfolgt topside durch zertifiziertes Personal. Bei komplexer Geometrie und Reinigungsaufwand bleibt der Taucher aber oft unverzichtbar.
Qualifikation
Unterwasser-Prüfer brauchen die doppelte Qualifikation: ZfP-Zertifizierung nach EN ISO 9712 und Berufstaucherschein. International haben sich zusätzlich Schemata wie CSWIP für Unterwasserinspektion etabliert; Offshore-Regelwerke (z. B. NORSOK N-005) definieren die Inspektionsprogramme.