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Digitalisierung der ZfP: KI, Robotik und digitale Prüfdaten

Von KI-gestützter Auswertung über Prüfroboter bis zum digitalen Zwilling: Die wichtigsten Digitalisierungstrends der zerstörungsfreien Prüfung — und was davon heute schon Praxis ist.

Die zerstörungsfreie Prüfung digitalisiert sich auf drei Ebenen: bei der Datenerfassung, der Auswertung und der Verwertung der Ergebnisse über den Lebenszyklus. Ein Überblick, was heute Praxis ist und was Pilotstatus hat.

Ebene 1: Digitale Datenerfassung — längst Standard

Digitale Radiographie (DR) und Speicherfolientechnik (CR) haben den Röntgenfilm in weiten Teilen abgelöst (EN ISO 17636-2). Phased-Array- und TOFD-Geräte zeichnen vollständige Volumendaten auf statt nur Anzeigen. Damit sind Prüfungen erstmals vollständig reproduzierbar und nachbewertbar — die Grundlage für alles Weitere.

Ebene 2: Automatisierte und robotische Prüfung — im Rollout

  • Crawler und Scanner prüfen Tankböden, Pipelines und Schiffsrümpfe mechanisiert mit lückenloser Positionscodierung.
  • Drohnen übernehmen die Sichtprüfung an Windkraftanlagen, Brücken und Fackeltürmen — der Prüfer bewertet am Bildschirm statt am Seil.
  • Inline-Prüfung in der Fertigung: automatisierte UT- und Wirbelstromanlagen prüfen im Takt der Linie, mit automatischer Sortierung.

Ebene 3: KI-gestützte Auswertung — kontrolliert produktiv

Beim automatischen Erkennen von Anzeigen (ADR — Assisted/Automated Defect Recognition) in DR-Bildern und bei der Vorbewertung großer Phased-Array-Datensätze ist KI heute produktiv im Einsatz — typischerweise als Assistenzsystem: Der Algorithmus markiert Auffälligkeiten, der zertifizierte Prüfer bewertet und verantwortet. Die vollautonome Bewertung scheitert bislang weniger an der Technik als an Regelwerken und der Haftungsfrage; die Normung arbeitet an Qualifizierungswegen für KI-Systeme.

Der rote Faden: durchgängige Prüfdaten

Der größte wirtschaftliche Hebel liegt nicht im einzelnen Algorithmus, sondern in durchgängigen Datenketten: Prüfdaten, die strukturiert erfasst, eindeutig dem Bauteil zugeordnet (digitaler Zwilling) und über den Lebenszyklus fortgeschrieben werden, ermöglichen zustandsorientierte Instandhaltung und risikobasierte Inspektion statt starrer Intervalle.

Was bedeutet das für Prüfpersonal?

Die Anforderungen verschieben sich von der manuellen Gerätebedienung zur Daten- und Systemkompetenz: Prüfanweisungen für mechanisierte Systeme, Validierung von KI-Unterstützung, Bewertung großer Datensätze. Qualifiziertes Personal wird dadurch nicht ersetzt, sondern höherwertig — die Engpassrolle der Stufe 2/3 (siehe Fachkräftemangel in der ZfP) verstärkt sich eher noch.

Einordnung: Digital erfassen ist Standard, mechanisiert prüfen ist Rollout, KI-Auswertung ist produktive Assistenz — und der durchgängige digitale Prüfdatenfluss ist das Rennen, das jetzt entschieden wird.
Inhaltsverzeichnis
Relevante Normen
  • DIN EN ISO 15708
  • EN ISO 17636-2
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