Typische Schweißfehler und ihre Ursachen

Risse, Poren, Einbrand, Bindefehler – die häufigsten Schweißfehler, ihre Ursachen und welche ZfP-Methode sie am besten nachweist.

Überblick: Fehlerklassen nach ISO 6520-1

ISO 6520-1 klassifiziert alle Schweißfehler in sechs Gruppen (1xx–6xx). Hier die prüfpraxis-relevantesten Fehlertypen mit Ursachen und dem optimalen ZfP-Verfahren:

Risse (Gruppe 1xx)

Heißrisse (101)

Entstehung: Im halbflüssigen Zustand der Naht beim Erstarren. Niedrigschmelzende Legierungsanteile (Schwefel, Phosphor) bilden flüssige Filme an Korngrenzen, die unter Schrumpfspannung aufreißen.

Typische Werkstoffe: hochlegierte Stähle, Aluminium, Nickellegierungen

Bestes ZfP: VT (wenn offen), PT (Oberfläche), UT oder RT (innen)

Kaltrisse / Wasserstoffinduzierte Risse (105)

Entstehung: Stunden bis Tage nach dem Schweißen. Wasserstoff aus Elektroden/Feuchtigkeit + harte Martensitzone (WEZ) + Schweißeigenspannungen → Riss. Verlaufen bevorzugt in der WEZ.

Risiko: hochfeste Stähle ab S420, Cr-Mo-Stähle

Prüfzeitpunkt: frühestens 24–48 h nach dem Schweißen (ISO 17640)

Bestes ZfP: MT (senkrecht zur WEZ), UT

Lamellenrisse (113)

Entstehung: Durch Schrumpfung senkrecht zur Walzrichtung des Grundwerkstoffs. Risiko bei T-Stößen mit dicken Blechen, Zinkschichten, schlecht entgastem Stahl.

Bestes ZfP: UT (horizontal schallend)

Poren (Gruppe 2xx)

Ursachen: Gas (H, N, CO) kann nicht aus der Schmelze entweichen. Quellen: feuchte Elektroden, verschmutzte Grundwerkstoffe (Öl, Rost, Zink), zu kurzer Lichtbogen, zu hohe Schweißgeschwindigkeit.

Typen: Einzelpore (2011), Porennest (2013), Wurmpore/Blaasenlochpore (2015)

Bestes ZfP: RT (beste Empfindlichkeit für Poren), UT bei großen Poren

Bindefehler (Gruppe 4xx)

Bindefehler (401)

Ursache: Grundwerkstoff wurde nicht aufgeschmolzen (zu niedriger Wärmeeintrag, falscher Elektrodenwinkel, Oxidhaut bei Al). Erscheinen als flächige Reflektoren.

Bestes ZfP: UT (flächige Anzeige mit ausgeprägter Echocharakteristik), TOFD

Mangelnde Durchschweißung (402)

Ursache: Nahtquerschnitt nicht vollständig aufgeschmolzen. Typisch bei I-Nähten mit zu großer Spaltbreite oder zu niedrigem Strom.

Bestes ZfP: RT (gut erkennbar), UT von der Wurzel her

Formfehler (Gruppe 5xx)

  • Einbrand (5011/5012): Kerbe am Nahtrand → Kerbwirkung unter Last → MT/PT + VT
  • Nahtüberhöhung (502): zu viel Nahtmaterial → erhöhte Kerbwirkung; Bewertung nach ISO 5817
  • Kantenversatz (507): Bleche nicht bündig ausgerichtet → VT + Messlehre

Praktische Schnellübersicht

FehlerRTUTMTPT
Poren★★★★★
Risse (offen)★★★★★★★★
Bindefehler★★★★★
Schlacke★★★★★
Mangelnde DW★★★★★