Prüfplan für Schweißbaugruppen
Ein Prüfplan für Schweißbaugruppen ist ein übergeordnetes Steuerungsdokument, das festlegt, welche Nähte mit welchem Verfahren, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt zu prüfen sind. Er ist das Bindeglied zwischen den konstruktiven Anforderungen, den Normen und Regelwerken und der praktischen Prüfdurchführung. In sicherheitsrelevanten Branchen (Druckbehälterbau, Kerntechnik, Luftfahrt, Offshore) ist ein formaler Prüfplan Pflicht.
Normative Grundlagen
- EN ISO 17635: Allgemeine Regeln für die ZfP von Schweißnähten in metallischen Werkstoffen. Grundlage für Verfahrenswahl und Prüfumfang.
- EN ISO 5817: Bewertungsgruppen für Schweißnahtunregelmäßigkeiten (B, C, D), auf die der Prüfplan Bezug nimmt.
- AD 2000 Merkblatt HP 5/3: Prüfumfang für Druckbehälter in Deutschland nach AD 2000.
- EN 13445 (Druckbehälter): Legt Prüfklassen (a, b, c) und Prüfumfänge für ungefeuerte Druckbehälter fest.
- ASME Sec. VIII, Div. 1: Amerikanisches Regelwerk mit Prüfumfangstabellen nach Nahtart und Druckkategorie.
- EN 1090-2: Ausführung von Stahltragwerken; Prüfklassen EXC 1–EXC 4 mit entsprechenden Prüfumfangsforderungen.
Prüfumfang: Vollprüfung und Stichprobenprüfung
Der Prüfumfang ist aus dem Regelwerk und der Risikoklasse des Bauteils abzuleiten:
- 100 % Prüfumfang: Alle Nähte werden vollständig geprüft. Typisch für drucktragendende Bauteile der höchsten Gefahrenklasse, Kerntechnik, Luftfahrtkomponenten.
- Stichprobenprüfung (z. B. 10 %, 25 %): Nur ein definierter Anteil der Nähte wird geprüft. Bei positivem Befund (keine oder nur zulässige Anzeigen) gilt die Schweißung als repräsentativ für die Charge. Bei nicht akzeptablem Befund wird der Prüfumfang erweitert.
- Prüfumfang nach Nahtart: Stumpfnähte werden i. d. R. anspruchsvoller geprüft als Kehlnähte. Vollständig durchgeschweißte (HV, DHV) Nähte erfordern häufig UT oder RT.
Prüffolge und Prüfzeitpunkt
Der Prüfplan legt fest, wann im Fertigungsprozess geprüft wird:
- Vor dem Schweißen: Prüfung des Grundwerkstoffs (UT auf Lamellare Risse, EN ISO 11666), Maßkontrolle der Fugenvorbereitung.
- Während des Schweißens: Zwischenlagenprüfung (bei dicken Bauteilen vorgeschrieben, z. B. MT oder VT nach jeder Lage).
- Nach dem Schweißen: Sichtprüfung (VT) immer als erste Prüfmethode; danach volumetrische (UT, RT) und oberflächensensitive (PT, MT) Verfahren. Prüfung nach Wärmebehandlung (PWHT), da diese den Eigenspannungszustand verändert.
- Nach Druckprüfung: In bestimmten Regelwerken werden Nachprüfungen nach dem Drucktest gefordert.
Dokumentation im Prüfplan
Ein vollständiger Prüfplan für eine Schweißbaugruppe enthält:
- Bauteilbezeichnung, Zeichnungsnummer, Revisionsnummer
- Auftraggeber und Auftragnehmer
- Zugrunde gelegte Normen und Regelwerke
- Nahtübersicht (tabellarisch oder als annotierte Zeichnung) mit Naht-ID, Nahtart, Werkstoff, Wanddicke
- Je Naht: Prüfverfahren (VT, UT, RT, PT, MT), Prüfumfang (%), Prüfzeitpunkt, Bewertungsgruppe/Akzeptanzklasse
- Qualifikationsanforderungen an das Prüfpersonal
- Verweise auf die anzuwendenden Prüfanweisungen (Written Instructions)
- Freigabevermerke (Qualitätssicherung, Auftraggeber, Behörde falls zutreffend)
Der Prüfplan wird typischerweise vom Qualitätsmanagement oder der ZfP-Fachkraft (Stufe 3) erstellt, vom Auftraggeber abgenommen und bei abnahmepflichtigen Behältern mit dem Sachverständigen abgestimmt.