EN ISO 9606-1 – Schweißerprüfung für Stahl: Geltungsbereich und Verlängerung
Die Norm EN ISO 9606-1 legt die Anforderungen für die Prüfung und Qualifikation von Schweißern beim Schmelzschweißen von Stahl fest. Sie beschreibt, welche Prüfstücke zu schweißen sind, welche Prüfungen durchzuführen sind und in welchem Umfang die erworbene Qualifikation gilt.
Prüfvariablen und Geltungsbereich
Die Qualifikation eines Schweißers gilt für einen bestimmten Geltungsbereich, der durch folgende Variablen festgelegt wird:
- Schweißprozess: Nach EN ISO 4063 (z. B. 111 = E-Hand, 135 = MAG, 141 = WIG); jeder Prozess erfordert eine eigene Prüfung
- Produktform: Blech (P) oder Rohr (T)
- Nahtart: Stumpfnaht (BW) oder Kehlnaht (FW)
- Werkstoffgruppe: Nach EN ISO 15608; qualifizierte Gruppe deckt bestimmte andere Gruppen ab
- Zusatzwerkstoff: Klassifikation (z. B. basisch, rutil, massiv)
- Abmessungen: Wanddicke des Prüfstücks bestimmt qualifizierte Wanddicke; Rohrdurchmesser bestimmt qualifizierten Durchmesserbereich
- Schweißposition: Nach EN ISO 6947; jede geprüfte Position deckt bestimmte andere Positionen ab
Prüfung des Prüfstücks
Nach EN ISO 9606-1 wird das Prüfstück folgenden Prüfungen unterzogen:
- Sichtprüfung (VT) nach EN ISO 17637
- Röntgenprüfung (RT) nach EN ISO 17636 oder Ultraschallprüfung (UT) nach EN ISO 17640
- Bei Bedarf: Biegeversuch (Seitenbiegung) oder Bruchprüfung
- Alternativ zur RT/UT: Biegeversuch und Bruchprüfung bei dünneren Wanddicken zulässig
Gültigkeitsdauer und Verlängerung
Die Schweißerqualifikation nach EN ISO 9606-1 ist zunächst für 3 Jahre gültig. Die Verlängerung erfolgt alle 6 Monate durch Bestätigung des verantwortlichen Koordinators oder Prüfers, dass der Schweißer weiterhin in dem qualifizierten Bereich tätig war (Kontinuitätsnachweis). Nach 3 Jahren ist eine erneute Prüfung oder eine Verlängerung durch RT/UT-Prüfung einer Produktionsnaht möglich.