DIN EN ISO 15549: Wirbelstromprüfung – Allgemeine Grundlagen

DIN EN ISO 15549 ist die europäische Grundlagennorm für die Wirbelstromprüfung und legt Grundbegriffe, Verfahrensprinzipien und allgemeine Anforderungen fest.

Norm DIN EN ISO 15549

DIN EN ISO 15549:2019-10 „Zerstörungsfreie Prüfung – Wirbelstromprüfung – Allgemeine Grundlagen" ist die übergeordnete Norm für die Wirbelstromprüfung (Eddy Current Testing, ET). Sie ersetzt frühere nationale Grundlagennormen und harmonisiert die europäischen und internationalen Anforderungen.

Physikalische Grundlagen

Die Norm erklärt das Wechselfeld-Induktionsprinzip: Ein wechselstromdurchflossener Prüfkopf induziert Wirbelströme im elektrisch leitfähigen Prüfgegenstand. Risse, Materialdickenvariationen oder Werkstoffveränderungen stören den Wirbelstromfluss und ändern die Impedanz des Prüfkopfs messbar.

Wesentliche Inhalte

Verfahrensvarianten

  • Absolutverfahren (Absolutspule): erfasst langsame Materialschwankungen
  • Differenzverfahren (Differenzspule): unterdrückt Geometrieeinflüsse, empfindlich für lokale Fehler
  • Transmissionsverfahren: Sender- und Empfängerspule getrennt

Kalibrierung und Justierung

Die Empfindlichkeitseinstellung erfolgt an Referenzkörpern mit definierten Kerben, Bohrungen oder Wanddickenänderungen. Frequenzwahl, Verstärkung und Phaseneinstellung werden dokumentiert.

Einflussfaktoren

Randeffekte, Liftoff (Abstand Sonde–Oberfläche), Permeabilitätsschwankungen bei ferromagnetischen Werkstoffen und Temperatur beeinflussen das Signal. Die Norm fordert die Kontrolle und Dokumentation dieser Einflüsse.

Abgrenzung zu anderen ET-Normen

  • DIN EN ISO 15548-1/2/3: Anforderungen an Prüfgeräte und Sensoren
  • DIN EN ISO 17643: Wirbelstromprüfung an Schweißverbindungen
  • DIN EN ISO 10893-2: Automatisierte ET an Stahlrohren
  • DIN EN ISO 12718: Terminologie der Wirbelstromprüfung