Auf einen Blick
| Ausbildungsdauer | 3,5 Jahre |
|---|---|
| Ausbildungstyp | Duales System — Betrieb + Berufsschule (IHK) |
| Abschluss | IHK-Abschluss, anerkannter Ausbildungsberuf (BBiG) |
| DQR-Niveau | 4 (entspricht EQR-Niveau 4) |
| Empfohlener Schulabschluss | Mittlere Reife, naturwissenschaftliches Interesse |
| Bewerbungsstart | Typisch: Oktober–März für Ausbildungsstart im September |
Die vier Fachrichtungen
Die Spezialisierung beginnt im 4. Ausbildungsjahr (letztes Halbjahr). Die vier anerkannten Fachrichtungen sind:
1. Metalltechnik
Schwerpunkt auf Härtepüfung, Zugversuch, Metallographie und mechanischen Kennwerten von Stahl, Aluminium und anderen Metallen. Typische Einsatzfelder: Stahlindustrie, Automobilzulieferer, Schmiede- und Gussbetriebe.
2. Kunststofftechnik
Analyse von Kunststoffprodukten auf Materialeigenschaften, Fehler und Alterungserscheinungen. Zugversuch, Kerbschlagbiegeversuch und chemische Analysen bei Polymeren. Einsatzfelder: Kunststoffverarbeitung, Medizintechnik, Verpackungsindustrie.
3. Wärmebehandlungstechnik
Prüfung von Werkstoffen unter variierenden Temperaturen, Hochtemperaturprüfungen, Bruchversuche, Untersuchung von Gefügeveränderungen durch Härtung, Anlassen, Glühen. Einsatzfelder: Härtereien, Automobilindustrie, Werkzeugbau.
4. Systemtechnik
Mobile Werkstoffprüfung in Anlagen — Kraftwerke, Chemieanlagen, Pipelines. Dieser Schwerpunkt entspricht am ehesten der Zerstörungsfreien Prüfung (ZfP). Ultraschallprüfung, Magnetpulver, Eindringprüfung, Durchstrahlung. Einsatzfelder: Energie, Petrochemie, ZfP-Dienstleister.
Berufsschulen in Deutschland
Der Unterricht findet als Blockunterricht an überregionalen Fachberufsschulen statt, da der Beruf relativ selten ist und Wohnortnähe nicht immer möglich ist. Die wichtigsten Standorte:
- BSZ Selb (Bayern) — Bundesweit wichtigster Standort, alle 4 Fachrichtungen, ca. 400 Auszubildende pro Jahrgang
- Kerschensteinerschule Stuttgart (Baden-Württemberg) — Alle 4 Fachrichtungen
- BSZ Freiberg (Sachsen) — Schwerpunkt Metalltechnik und Systemtechnik
- Johannes-Selenka-Schule Braunschweig (Niedersachsen)
- Weitere IHK-zuständige Schulen in Hamburg, NRW je nach Betriebsstandort
Ausbildungsvergütung
| Ausbildungsjahr | Vergütungsrahmen brutto/Monat |
|---|---|
| 1. Jahr | 819 – 1.154 € |
| 2. Jahr | 890 – 1.187 € |
| 3. Jahr | 956 – 1.261 € |
| 4. Jahr (letztes Halbjahr) | 1.021 – 1.330 € |
Die genaue Vergütung richtet sich nach dem Branchen-Tarifvertrag des Ausbildungsbetriebs (Metall, Chemie etc.). Nicht tarifgebundene Betriebe müssen mindestens 80 % des einschlägigen Niveaus zahlen (§ 17 BBiG, Mindestausbildungsvergütung).
Ausbildungsinhalte nach Lernfeldern
1. und 2. Ausbildungsjahr (Gemeinsame Grundausbildung)
- Chemische und physikalische Grundlagen der Werkstoffkunde
- Bestimmung physikalischer Werkstoffeigenschaften (Dichte, elektrische Leitfähigkeit, Wärmeausdehnung)
- Festigkeitsprüfung: Zugversuch nach DIN EN ISO 6892-1, Verformungskennwerte
- Härteprüfung: Vickers (HV), Brinell (HBW), Rockwell (HR)
- Metallographische Schliffe: Präparation, Ätzen, Lichtmikroskopie
- Zerstörungsfreie Oberflächenprüfung: VT, PT, MT (Lernfeld 5)
- Prüfprotokollierung, Normen und Regelwerke (DIN EN ISO, ASTM)
2. und 3. Ausbildungsjahr
- Volumenprüfverfahren: Ultraschallprüfung (UT), Durchstrahlungsprüfung (RT)
- Werkstoffumwandlungen, Wärmebehandlung, Korrosionskunde
- Qualitätssicherungssysteme (DIN EN ISO 9001, statistische Auswertung)
- Schadensanalyse und Gefügebeurteilung
4. Ausbildungsjahr (Fachrichtungsbezogene Spezialisierung)
Vertiefung in der gewählten Fachrichtung, Prüfungsvorbereitung, Betriebsprojekt.
Prüfungsstruktur
Zwischenprüfung (Ende 2. Ausbildungsjahr)
- Praktische Aufgabe (ca. 3 Stunden)
- Schriftliche Prüfung: Prüfverfahren, Werkstoffkunde, Mathematik
- Keine Benotung, aber Nachweis des Ausbildungsstands
Abschlussprüfung (nach 3,5 Jahren)
- Prüfbereich 1: Werkstoffprüftechnik (praktische Fachaufgabe, ca. 7 Stunden)
- Prüfbereich 2: Schriftliche Prüfung Werkstoffkunde und -prüfung
- Prüfbereich 3: Schriftliche Prüfung Fertigungs- und Qualitätstechnik
- Prüfbereich 4: Wirtschafts- und Sozialkunde
Beispielhafte Ausbildungsbetriebe
Ausbildungsplätze gibt es bei:
- Prüforganisationen: TÜV NORD, TÜV Rheinland, TÜV SÜD, Bureau Veritas, SGS
- Forschung: Fraunhofer-Institute (IWS, IZFP, IWM), BAM Berlin, MPA Stuttgart
- Industrie: ThyssenKrupp, BGH Edelstahl Freital, Otto Fuchs, Siemens, BASF
- Bundeswehr: Materialprüfung in der Wehrtechnik (MHI)
- Universitäten: Materialprüflabore an TU-Standorten
Karrierewege nach der Ausbildung
- Direkt in den Beruf: Werkstoffprüfer in Industrie, ZfP-Dienstleister oder Prüforganisation
- ZfP-Zertifizierung nach EN ISO 9712 (Level 1, 2, 3 in verschiedenen Verfahren)
- Weiterbildung: Techniker (Werkstofftechnik), Meister (Industriemeister Metall oder Chemie)
- Studium: Direktzulassung oder Aufnahmeprüfung — Materialwissenschaft, Werkstofftechnik, Maschinenbau
- Duales Studium parallel zur Berufstätigkeit möglich