TEN

Zugversuch

Zerstörend
Der Zugversuch (TEN) ist die wichtigste Prüfmethode zur Bestimmung mechanischer Kennwerte wie Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung — unverzichtbar für jede Werkstoffzulassung und Fertigungskontrolle.
Geltende Normen

EN ISO 6892-1, DIN 50125

Grundprinzip des Zugversuchs

Beim Zugversuch (Tensile Test) wird eine genormte Probe (Flach- oder Rundprobe nach EN ISO 6892-1 / DIN 50125) mit gleichmäßig steigender Kraft auf Zug belastet, bis der Bruch eintritt. Die Prüfmaschine zeichnet die Kraft-Verlängerungs-Kurve auf, aus der folgende Kennwerte ermittelt werden:

  • Rm — Zugfestigkeit: Maximale Kraft bezogen auf den Ausgangsquerschnitt
  • Re / Rp0,2 — Streckgrenze / 0,2%-Dehngrenze: Beginn plastischer Verformung
  • A — Bruchdehnung: Maß für die Duktilität
  • Z — Brucheinschnürung: Querschnittsabnahme am Bruch
  • E — Elastizitätsmodul: Steifigkeit im elastischen Bereich

Was macht ein Werkstoffprüfer im Zugversuch?

  • Probenherstellung: Drehen oder Fräsen auf Normmaße, Maßkontrolle mit Mikrometerschraube
  • Maschinenvorbereitung: Einspannen, Messsystem kalibrieren (Extensometer, Kraftmessdose)
  • Prüfung: Prüfgeschwindigkeit nach Norm einstellen (EN ISO 6892: Dehnratengeregelt)
  • Auswertung: Kennwerte aus der Kurve ablesen oder berechnen, Bewertung gegen Norm/Zeichnungsanforderungen
  • Prüfbericht: Mit Kurvenplot, Tabelle der Kennwerte, Probenfoto und Zertifizierungsangaben (EN 10204)

Zugversuch-Prüfer sind in Werkstofflabors, Zertifizierungsstellen, Stahlwerken, Aluminium-Gießereien und F&E-Abteilungen tätig.

Einsatzbranchen

  • Werkstoffzulassung: Stahl (EN 10025, EN 10028), Aluminium (EN 485), Titan (AMS)
  • Schweißtechnik: Schweißer-Qualifikation (EN ISO 9606), Arbeitsprüfung (EN ISO 15614)
  • Automotive: Blechwerkstoffe, Karosserieteile, Verbindungstechnik
  • Luft- und Raumfahrt: Legierungsqualifikation nach MMPDS, AMS-Normen
  • Kunststoff / Verbundwerkstoffe: CFK, GFK, Elastomere (ISO 527)

Anwendungsgebiete

Werkstoffprüfung für Zulassungen und Normen (Stahl, Aluminium, Kunststoff), Schweißnahtprüfung (Schweißer-Qualifikation nach EN ISO 9606), Qualitätskontrolle in der Fertigung, Forschung und Entwicklung neuer Legierungen.

Vorteile
  • Liefert umfassende mechanische Kennwerte mit einer Prüfung
  • International genormt und breit akzeptiert (EN ISO 6892, ASTM E8)
  • Gut automatisierbar mit modernen Universalprüfmaschinen
  • Aussagekräftige Kennwerte für Auslegung und Simulation (FEM)
  • Auch für Kunststoffe, Verbundwerkstoffe und Textilien anwendbar
Nachteile
  • Zerstörend — Bauteil oder Probe wird zerstört
  • Probenentnahme aus dem Bauteil nötig (Destruktiv)
  • Prüfgeschwindigkeit beeinflusst Ergebnis bei dehnratenempfindlichen Werkstoffen
  • Nur einachsige Beanspruchung — kein mehrachsiger Spannungszustand

Häufige Fragen zur Zugversuch

Was ist der Zugversuch?
Der Zugversuch (TEN) ist die wichtigste Prüfmethode zur Bestimmung mechanischer Kennwerte wie Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung — unverzichtbar für jede Werkstoffzulassung und Fertigungskontrolle.
Welche Normen gelten für den Zugversuch?
Die wichtigsten Normen sind: EN ISO 6892-1, DIN 50125. Die im Einzelfall verbindliche Norm legt das Anwendungsregelwerk bzw. die Bestellung fest.
Wer darf den Zugversuch durchführen?
Die Prüfung übernehmen qualifizierte Werkstoffprüflabore — für Zeugnisse mit normativer Außenwirkung in der Regel akkreditiert nach EN ISO/IEC 17025.
Was kostet ein Zugversuch?
Die Kosten hängen von Prüfumfang, Zugänglichkeit und Dokumentationstiefe ab. Zertifiziertes Stufe-2-Personal liegt typischerweise bei 70–120 € pro Stunde, Laborprüfungen werden meist je Probe abgerechnet. Über unsere kostenlose Angebotsanfrage erhalten Sie konkrete Preise passender Dienstleister.
Wo finde ich Dienstleister für den Zugversuch?
Auf Werkstoffprüfer.com finden Sie qualifizierte Anbieter für die TEN-Prüfung nach Region — darunter FGZP-Mitgliedsbetriebe. Über die Angebotsanfrage erreichen Sie kostenlos bis zu fünf passende Dienstleister.