EN ISO 15548, DIN EN 1571
Grundprinzip der Wirbelstromprüfung
Bei der Wirbelstromprüfung (ET — Eddy Current Testing) erzeugt eine Spule ein wechselndes Magnetfeld, das in elektrisch leitfähigen Werkstoffen Wirbelströme induziert. Risse, Materialinhomogenitäten oder Leitfähigkeitsänderungen stören den Wirbelstromfluss — diese Störungen werden als Impedanzänderung in der Spule gemessen und können hochauflösend dargestellt werden.
Moderne ET-Systeme (Array-Sonden, Phased Array) ermöglichen die gleichzeitige Erfassung vieler Kanäle und werden in der Luftfahrt und Energietechnik für vollautomatische Prüfungen eingesetzt.
Was macht ein ET-Werkstoffprüfer?
- Kalibrierung: Referenzkörper mit bekannten Fehlern, Geräteeinstellung auf Prüfaufgabe
- Prüfung: Sonde über Bauteil führen (manuell oder automatisiert); Signale in Echtzeit bewerten
- Signalanalyse: Impedanzebene-Darstellung lesen, Fehler von Geometrieeffekten unterscheiden
- Sortierung: Werkstoff- und Wärmebehandlungssortierung nach Leitfähigkeit und Permeabilität
- Dokumentation: Prüfbericht, Scanbilder, Bewertung nach Norm (z.B. EN ISO 15548)
ET-Prüfer sind besonders in der Luftfahrt-MRO, in Kraftwerken (Wärmetauscher) und in automatisierten Fertigungslinien gefragt. Die Signalinterpretation erfordert gute Ausbildung und Erfahrung.
Einsatzbranchen
- Luft- und Raumfahrt: Risse in Niethöhlungen, Ermüdungsrisse in Strukturen (EN 4179)
- Energie: Wärmetauscherrohre in Kraftwerken (ASME Sec. V, Art. 8)
- Automotive: Serienprüfung von Stangen, Rohren, Nockenwellen
- Werkstoffkontrolle: Sortierung von Legierungen und Wärmebehandlungszuständen
- Bauindustrie: Betonbewehrung, Leitfähigkeitsprüfung an Kupferkabeln
Zertifizierung für Werkstoffprüfer
Zertifizierung nach EN ISO 9712 (Stufen 1–3) oder sektorspezifisch nach EN 4179 / NAS 410 für die Luftfahrt. ET Stufe 2 für selbstständige Prüfaufgaben. Die Signalinterpretation wird in spezialisierten Trainingszentren gelehrt — ET gilt als eines der anspruchsvolleren ZfP-Verfahren.
Application Areas
Rohre und Wärmetauscher in Kraftwerken, Oberflächen- und Schweißnahtprüfung in der Luftfahrt, Sortierung von Werkstoffen und Wärmebehandlungszuständen, Leitfähigkeitsmessung und Schichtdickenmessung.
✓ Advantages
- Sehr gut automatisierbar — hoher Durchsatz in der Serienprüfung
- Berührungslos — kein Koppelmittel, kein Kontakt nötig
- Oberflächenbeschichtungen kein Hindernis
- Materialunterscheidung (Sortierung) und Leitfähigkeitsmessung möglich
- Schnelle Prüfung bei hohen Prüfgeschwindigkeiten
✗ Disadvantages
- Begrenzte Eindringtiefe — nur Oberfläche und oberflächennahe Zone
- Nur elektrisch leitfähige Werkstoffe prüfbar
- Randeffekte an Bauteilkanten können Befunde überlagern
- Komplexe Signalinterpretation, besonders bei gekrümmten Geometrien