LT

Leckprüfung

Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)
Die Leckprüfung (LT) weist Undichtheiten an druckführenden Bauteilen und Behältern nach. Je nach geforderter Empfindlichkeit kommen Sichtprüfung, Druckabfall-, Blasen-, Vakuum- oder Helium-Lecksuche zum Einsatz.
Geltende Normen

EN 1779, EN ISO 20485, EN 13185, EN 13184, EN 13192, ASME V Art.10, EN ISO 9712

Grundprinzip

Die Leckprüfung (LT) ist das einzige ZfP-Verfahren, das Undichtheiten — also vollständig durchgehende Fehler — direkt nachweist. Alle anderen ZfP-Verfahren prüfen auf Materialfehler, die potenziell zur Undichtheit führen könnten. LT prüft die Dichtheit selbst.

Prüfmethoden im Überblick

MethodeKürzelNachweisgrenzeTypische Anwendung
Sichtprüfung / SeifenwasserVT-LT~10⁻³ mbar·l/sGasanlagen, Druckbehälter
Druckabfallmethode~10⁻³ mbar·l/sRohrleitungen, Behälter
Druckanstiegsmethode (Vakuum)~10⁻⁴ mbar·l/sVakuumanlagen
Blasenlecktest (Tauchen)~10⁻³ mbar·l/sKleindruck-Behälter
Helium-Lecksuche (Schnüffler)~10⁻⁷ mbar·l/sKernkraft, Kryotechnik
Helium-Integral-/Vakuumverfahren~10⁻¹⁰ mbar·l/sHalbleiter, Raumfahrt
Ammoniakprüfung~10⁻⁵ mbar·l/sSchweißnähte (Kälteanlagen)

Helium-Lecksuche — das empfindlichste Verfahren

Helium (He) eignet sich als Spurengas, weil es chemisch inert, in der Atmosphäre sehr selten (5 ppm) und sehr klein ist (kleines Atomvolumen). Ein Massenspektrometer-Lecksucher (MSLE) misst den He-Partialdruck und detektiert schon kleinste Leckagen.

  • Schnüffelmethode: Bauteil unter He-Druck, Sonde außen abgefahren
  • Vakuumhaubenmethode: Bauteil evakuiert, He-Atmosphäre außen → Integral-Leckrate
  • Bombiermethode: Bauteil unter He-Druck in Autoklav, dann Massenspektrometrie

Druckabfallprüfung

Das Bauteil wird auf einen definierten Prüfdruck befüllt, abgesperrt und der Druckverlauf über einen festgelegten Zeitraum überwacht. Temperaturkompensation ist wichtig, da Temperaturänderungen das Ergebnis verfälschen. Einfach, kostengünstig und automatisierbar — weit verbreitet in der Serienfertigung (Motorblöcke, Getriebegehäuse).

Normen und Regelwerk

  • EN 1779: Leckprüfung — Kriterien zur Verfahrensauswahl
  • EN ISO 20485: Leckprüfung — Begriffe und Definitionen
  • EN 13185: Leckprüfung — Gasspürverfahren
  • EN 13184: Druckänderungsverfahren
  • EN 13192: Helium und Wasserstoff als Spurengas
  • ASME V, Article 10: Leak Testing (USA)
  • EN ISO 9712: Qualifizierung und Zertifizierung des LT-Personals

Personalqualifizierung

LT ist ein vollwertiges ZfP-Verfahren nach EN ISO 9712 — Prüfer werden auf Level 1, 2 und 3 zertifiziert. Die Prüfung umfasst Methoden- und Gerätekenntnisse sowie Normenkenntnis. In der Kerntechnik gilt zusätzlich das KTA-Regelwerk (KTA 3201.4).

Anwendungsgebiete

Druckbehälter- und Rohrleitungsprüfung, Kälteanlagen (Kältemittel-Lecksuche), Kerntechnik (Primärkreis), Raumfahrt und Halbleitertechnik, Automobilserienfertigung (Druckabfall-Automatik), Gasleitungen und Armaturen

Vorteile
  • Einziges ZfP-Verfahren das Undichtheiten direkt nachweist
  • Sehr breites Empfindlichkeitsspektrum (einfach bis extrem präzise)
  • Helium-Lecksuche erreicht höchste Nachweisempfindlichkeiten aller ZfP
  • Automatisierbar für Serienfertigung
  • Kein schädliches Medium (Helium inert)
Nachteile
  • Durchgehender Fehler notwendig — Risse ohne Durchgang werden nicht erkannt
  • Druckmedium muss verträglich mit Bauteil sein
  • Temperaturschwankungen verfälschen Druckabfallmessungen
  • Helium-Equipment teuer in Anschaffung
  • Prüfung nach Dichtheitsprüfung oft aufwändig zu entwässern (Wasser)

Häufige Fragen zur Leckprüfung

Was ist die Leckprüfung?
Die Leckprüfung (LT) weist Undichtheiten an druckführenden Bauteilen und Behältern nach. Je nach geforderter Empfindlichkeit kommen Sichtprüfung, Druckabfall-, Blasen-, Vakuum- oder Helium-Lecksuche zum Einsatz.
Welche Normen gelten für die Leckprüfung?
Die wichtigsten Normen sind: EN 1779, EN ISO 20485, EN 13185, EN 13184, EN 13192, ASME V Art.10, EN ISO 9712. Die im Einzelfall verbindliche Norm legt das Anwendungsregelwerk bzw. die Bestellung fest.
Wer darf die Leckprüfung durchführen?
Bei regelwerksrelevanten Prüfungen ist Personal mit Zertifizierung nach EN ISO 9712 im jeweiligen Verfahren erforderlich (Stufe 1–3). Stufe 2 führt durch und bewertet, Stufe 3 gibt Prüfanweisungen frei.
Was kostet eine Leckprüfung?
Die Kosten hängen von Prüfumfang, Zugänglichkeit und Dokumentationstiefe ab. Zertifiziertes Stufe-2-Personal liegt typischerweise bei 70–120 € pro Stunde, Laborprüfungen werden meist je Probe abgerechnet. Über unsere kostenlose Angebotsanfrage erhalten Sie konkrete Preise passender Dienstleister.
Wo finde ich Dienstleister für die Leckprüfung?
Auf Werkstoffprüfer.com finden Sie qualifizierte Anbieter für die LT-Prüfung nach Region — darunter FGZP-Mitgliedsbetriebe. Über die Angebotsanfrage erreichen Sie kostenlos bis zu fünf passende Dienstleister.