EN ISO 17636, DIN EN 1435
Grundprinzip der Röntgenprüfung
Bei der Durchstrahlungsprüfung (RT — Radiographic Testing) durchdringt ionisierende Strahlung (Röntgen- oder Gammastrahlung) das Prüfobjekt. Fehlstellen wie Poren, Lunker, Schlacken oder Risse schwächen die Strahlung weniger ab als der umgebende Werkstoff — auf dem Bild erscheinen sie als dunklere Bereiche.
Moderne RT arbeitet mit Röntgenfilm (klassisch), CR-Speicherfolien (wiederverwendbar) oder DR-Flächendetektoren (direkt digital). Die digitale RT ermöglicht schnellere Auswertung und einfachere Archivierung.
Was macht ein RT-Werkstoffprüfer?
Der Beruf des RT-Prüfers vereint technisches Können mit Sicherheitsverantwortung. Du planst und führst Röntgenaufnahmen durch und sorgst für den Strahlenschutz aller Beteiligten:
- Strahlenschutz: Aufbau der Sperrzone, Dosimetrie, Kontakt mit Strahlenschutzbeauftragten
- Aufnahmetechnik: Strahleraufstellung, Belichtungsparameter, IQI-Platzierung (Bildgüteprüfkörper)
- Bildauswertung: Bewertung nach Bildgüteklasse, Registrierung und Klassifizierung von Befunden
- Dokumentation: Prüfbericht mit Bildarchiv, Konformitätserklärung nach Norm
RT-Prüfer arbeiten oft außerhalb regulärer Arbeitszeiten (Nachtschichten, Wartungsstillstände) und sind häufig auf Montage in Kraftwerken, Raffinerien oder Industrieanlagen tätig.
Einsatzbranchen
- Petrochemie / Energie: Rohrleitung, Behälter, Schweißnähte (ASME, AD 2000, EN 13480)
- Luft- und Raumfahrt: Gussteile, Strukturbauteile (EN 4179, NAS 410)
- Kerntechnik: Primärkreis-Bauteile nach KERNTECHNISCHEN Regelwerken
- Automobilindustrie: Gussteile in der Produktion (Real-Time-Radioskopie)
- Schiffbau: Struktur- und Druckbehälterschweißnähte
Strahlenschutz — besondere Verantwortung
Zertifizierung für Werkstoffprüfer
Zertifizierung nach EN ISO 9712 in drei Stufen — für die eigenständige Prüfung und Bewertung ist Stufe 2 erforderlich. Praxisstunden: ca. 120 h (Stufe 1) bis 400 h (Stufe 2) je nach Sektor. In der Luftfahrt gelten EN 4179 / NAS 410 mit sektorspezifischen Anforderungen.
Anwendungsgebiete
Schweißnahtprüfung an Druckbehältern und Rohrleitungen, Gussteile in der Luft- und Raumfahrt, Qualitätssicherung in der Petrochemie, Kernkraftwerkstechnik, Inspektion von Verbindungselementen und Strukturbauteilen.
✓ Vorteile
- Volumenhafte Fehler (Poren, Schlacken, Lunker) sehr gut detektierbar
- Permanentes Bildarchiv auf Film oder digitaler Datei
- Prüft nahezu alle Materialarten und -dicken
- Zuverlässige Bewertung von Schweißnahtvolumen
- Digitale Detektoren (CR/DR) ermöglichen schnelle Auswertung
✗ Nachteile
- Ionisierende Strahlung — Strahlenschutzzone und behördliche Genehmigung erforderlich
- Risse parallel zur Strahlungsrichtung schwer detektierbar
- Hoher Aufwand für Strahlenschutz und Sicherheitsabsperrung
- Teurer und aufwendiger als viele andere ZfP-Verfahren