EN ISO 3452, DIN EN 571
Grundprinzip der Eindringprüfung
Bei der Eindringprüfung (PT — Penetrant Testing) wird ein niederviskoses Eindringmittel auf die gereinigte Bauteiloberfläche aufgebracht. Durch Kapillarwirkung dringt es in oberflächenoffene Fehlstellen (Risse, Poren, Kaltschweißungen) ein. Nach der Einwirkzeit wird überschüssiges Eindringmittel entfernt und ein Entwickler aufgebracht, der das Eindringmittel aus den Fehlern heraussaugt und als farbliche oder fluoreszierende Anzeige sichtbar macht.
Varianten: Farbeindringprüfung (rot/weiß, keine UV-Lampe nötig) und Fluoreszenzeindringprüfung (gelb-grün unter UV-Licht, höhere Empfindlichkeit).
Was macht ein PT-Werkstoffprüfer?
- Reinigung: Entfetten und Trocknen der Prüffläche ist entscheidend für die Qualität
- Eindringen: Eindringmittel auftragen, Einwirkzeit einhalten (5–60 min je nach Norm und Temperatur)
- Zwischenreinigung: Überschussreiniger sorgfältig entfernen (Wasser oder Lösemittel je nach System)
- Entwickeln: Entwickler auftragen, Entwicklungszeit einhalten
- Auswertung: Unter Tages- oder UV-Licht, Befunde klassifizieren nach EN ISO 23277 o.ä.
- Nachbehandlung: Oberfläche reinigen und Prüfbericht erstellen
PT-Prüfer sind in Fertigungsbetrieben, Wartungszentren (MRO) und auf Baustellen eingesetzt. Die Methode ist portabel und gut vor Ort anwendbar.
Einsatzbranchen
- Luft- und Raumfahrt: Triebwerksteile, Turbinenschaufeln (EN 4179 / NAS 410)
- Automotive: Guss-Aluminium-Teile, Bremsscheiben, Fahrwerkskomponenten
- Medizintechnik: Implantate, Instrumente aus Titan/Edelstahl
- Energie: Nichtmagnetisierbare Stähle (Austenitische Edelstähle) in Druckanlagen
- Maschinenbau: Allgemeine Schweißnahtprüfung an nichtferromagnetischen Werkstoffen
Zertifizierung für Werkstoffprüfer
Zertifizierung nach EN ISO 9712, Stufen 1–3. PT ist einer der am einfachsten zugänglichen ZfP-Einstiege — geringe Geräteanforderungen, aber hohe Sorgfalt bei Ausführung und Auswertung erforderlich. In der Luftfahrt gelten zusätzlich EN 4179 und NAS 410.
Application Areas
Turbinenschaufeln und Luftfahrtkomponenten, Schweißnähte an nichtmagnetisierbaren Werkstoffen (Edelstahl, Alu), Gussteile in der Automobilindustrie, Implantate und Medizintechnik, Keramik und Glaskomponenten.
✓ Advantages
- Unabhängig vom Werkstoff — Stahl, Aluminium, Titan, Keramik, Kunststoff
- Sehr hohe Empfindlichkeit bei fluoreszierender Variante
- Günstig und einfach — keine komplexe Gerätetechnik nötig
- Große Flächen in kurzer Zeit prüfbar
- Anzeigen direkt sichtbar ohne Zusatzgerät (Farbeindringmittel)
✗ Disadvantages
- Nur oberflächenoffene Fehler — keine Tiefenwirkung
- Oberfläche muss sauber und zugänglich sein
- Poröse Oberflächen erschweren die Auswertung
- Chemikalien (Eindringmittel, Entwickler) erfordern sorgfältigen Umgang
- Zeitaufwändig durch Einwirkzeiten (typisch 10–60 Minuten)