Zerstörende Prüfung (ZP)

Destructive Testing — Werkstoffkennwerte durch Probenprüfung ermitteln

Was ist Zerstörende Prüfung?

Bei der Zerstörenden Prüfung (ZP — Destructive Testing, DT) wird das Prüfobjekt oder eine Probe bis zur Verformung oder zum Bruch beansprucht. Die dabei ermittelten mechanischen Werkstoffkennwerte (Zugfestigkeit, Streckgrenze, Härte, Kerbschlagenergie) sind unverzichtbar für Werkstoffentwicklung, Qualitätssicherung und Konstruktionsauslegung.

Im Gegensatz zur ZfP geht bei der ZP das Prüfstück verloren. Deshalb werden repräsentative Proben aus dem Produktionsprozess entnommen (Stichprobenprüfung) oder eigens gefertigte Probekörper untersucht.

ZP im Überblick
VerfahrenKenngrößeSymbol
ZugversuchZugfestigkeit / Streckgrenze / BruchdehnungRm / Rp0,2 / A
HärteprüfungHärteHV / HB / HRC
KerbschlagversuchKerbschlagarbeitKV / KU
BiegeversuchBiegewinkel / Duktilitätα
DruckversuchDruckfestigkeitRm (Druck)
TorsionsversuchScherfestigkeitτm
DauerschwingversuchDauerfestigkeit / WöhlerkurveσD / σW
MetallographieGefüge, Korngrößen, Phasen

Abgrenzung ZP vs. ZfP

MerkmalZP (Destructive)ZfP (Non-Destructive)
Bauteil nach Prüfung❌ Zerstört✅ Unverändert
PrüfobjektProbekörper / StichprobenOriginal-Bauteil
100%-Prüfung❌ Nicht möglich✅ Möglich
Quantitative Kennwerte✅ Rm, Rp0.2, HV, KV…Eingeschränkt
FehlernachweisIndirekt über Bruchbild✅ Direkte Fehlerlokalisation
Typische AnwendungWerkstoffentwicklung, QualifikationSerienkontrolle, Inspektion

Die wichtigsten ZP-Verfahren

Zugversuch

Das fundamentalste mechanische Prüfverfahren. Probe wird bis zum Bruch gedehnt. Liefert: Rm (Zugfestigkeit), Rp0,2 (Streckgrenze), A (Bruchdehnung), Z (Brucheinschnürung).

Details →
Härteprüfung

Eindringkörper wird unter definierter Last in Werkstoff gedrückt. Verfahren: Vickers (HV), Brinell (HB), Rockwell (HRC). Schnell, einfach, günstig.

Details →
Kerbschlagversuch

Probe mit Kerb wird durch Pendelschlagwerk gebrochen. Misst Zähigkeit / Sprödigkeit des Werkstoffs. Symbol: KV (V-Kerb) oder KU (U-Kerb) in Joule.

Biegeversuch

Probe wird über Biegedorn gebogen. Prüft Duktilität und Bindefehler in Schweißnähten. Winkel α (z.B. 180°) als Kriterium. EN ISO 7438.

Metallographie

Schliff, Ätzung und Gefügeuntersuchung unter dem Mikroskop. Korngrößenbestimmung nach EN ISO 643, Phasenidentifikation, Schweißnahtquerschnitt.

Dauerschwingversuch

Probe wird zyklisch belastet (Wöhlerversuch). Ermittelt Dauerfestigkeit σD und Zeitfestigkeit. Normierung nach DIN 50100.

Normung der Zerstörenden Prüfung

ZP-Verfahren sind durch umfangreiche Normwerke geregelt:

VerfahrenNorm (DIN EN ISO)Kenngröße
Zugversuch (RT)EN ISO 6892-1Rm, Rp0,2, A, Z
Zugversuch (HT bis 1000°C)EN ISO 6892-2Warmfestigkeit
Vickers-HärteEN ISO 6507-1HV 0,01 – HV 100
Brinell-HärteEN ISO 6506-1HB (HBW)
Rockwell-HärteEN ISO 6508-1HRC, HRB, HRA
KerbschlagversuchEN ISO 148-1KV, KU (Joule)
BiegeversuchEN ISO 7438Biegewinkel α
DruckversuchEN ISO 604 (Kunststoffe)Druckfestigkeit
KorngrößenbestimmungEN ISO 643Korngröße G
DauerschwingversuchDIN 50100σD, σW, Wöhlerkurve

Probenentnahme und Probenpräparation

Die Qualität der ZP-Ergebnisse hängt entscheidend von der richtigen Probenentnahme ab. Normen wie EN ISO 377 regeln Lage, Richtung und Abmessungen von Proben aus Halbzeugen und Bauteilen. Häufige Probenformen:

  • Flachzugproben: für Bleche und Bänder (DIN 50125 Form B, C, E)
  • Rundproben: für Stäbe und Drähte (DIN 50125 Form A)
  • Charpy-V-Proben: 55 × 10 × 10 mm mit 2-mm-V-Kerb (EN ISO 148)
  • Biegeproben: nach Wanddicke und Schweißnahtgeometrie

ZP im Qualitätsmanagementsystem

In der industriellen Fertigung sind ZP-Prüfungen Teil jeder Werkstoffzulassung und Schweißnahtqualifikation:

  • Werkstoffzeugnis 3.1 / 3.2 nach EN 10204 (enthält ZP-Ergebnisse)
  • Schweißverfahrensprüfung (WPS/PQR) nach EN ISO 15614: Zugversuch, Biegeversuch, Kerbschlag, Makro
  • Wärmebehandlungsqualifikation: Härtemessreihen
  • Eingangskontrolle: Härtemessung zur Chargenverifikation
Zerstörende Prüfung
ZfP-Verfahren
Werkstoffzeugnis

ZP-Ergebnisse werden in Werkstofffzeugnissen nach EN 10204 dokumentiert und sind Bestandteil jeder Werkstofflieferung.