Härteprüfung

Vickers, Brinell, Rockwell, Leeb und Knoop — Härteverfahren im Vergleich

Was ist Härte?

Härte ist der mechanische Widerstand eines Werkstoffs gegen das Eindringen eines härteren Körpers. Sie ist kein physikalischer Grundwert, sondern eine anwendungsbezogene Kenngröße, die stark von der Prüfmethode abhängt. Deshalb muss immer das Prüfverfahren mit angegeben werden: z.B. 250 HV 10 oder 65 HRC.

Härte korreliert näherungsweise mit der Zugfestigkeit: Rm ≈ 3,3 × HV (für Stahl). Die Härteprüfung ist das schnellste und günstigste mechanische Prüfverfahren und deshalb weit verbreitet in Eingangskontrolle, Fertigungsüberwachung und Wärmebehandlungskontrolle.

Vickers-Härteprüfung (HV)

Norm: EN ISO 6507-1 / ASTM E92

Prüfprinzip

Ein regelmäßiger Diamantpyramideneindringkörper (136°-Flächenwinkel) wird mit einer definierten Prüfkraft F (in N) für 10–15 Sekunden in die Oberfläche gedrückt. Die Diagonalen d₁ und d₂ des quadratischen Eindrucks werden optisch gemessen:

HV = 0,102 × F / A = 0,1891 × F / d² [F in N, d in mm]

Prüfkraftbereiche (HV-Skalen)

BezeichnungPrüfkraftEinheitAnwendung
HV 0,001 – HV 0,10,0098–0,981 NMikrohärtePhasen, Schichten, Korngrenzenbereiche
HV 0,2 – HV 11,96–9,81 NKleinlastDünne Schichten, Oberflächenhärtung
HV 5 – HV 3049–294 NMittellastAllgemein, Schweißnahtprüfung
HV 1098,07 N (~10 kp)StandardlastHäufigstes Laborverfahren
HV 30 – HV 100294–981 NHochlastGrobe Gusstücke, inhomogene Werkstoffe

Vorteile Vickers

  • Ein einziges Verfahren für alle Härtebereiche (1–3000 HV)
  • Kleiner, scharf begrenzter Eindruck — für dünne Bauteile geeignet
  • Härteverlaufsmessungen (Einhärtungstiefe nach Randschichthärtung)
  • Standard bei Schweißnahtprüfung (EN ISO 9015, HAZ-Prüfung)

Brinell-Härteprüfung (HBW)

Norm: EN ISO 6506-1 / ASTM E10

Prüfprinzip

Eine Hartmetallkugel (Durchmesser D: 10 mm, 5 mm, 2,5 mm oder 1 mm) wird mit Kraft F in den Werkstoff gedrückt. Brinell-Härte ergibt sich aus der Eindruckfläche:

HBW = 0,102 × 2F / (π·D·(D - √(D²-d²)))

Prüfkraft-Kugel-Kombinationen

Das Verhältnis F/D² (in N/mm²) wird je nach Werkstoffgruppe gewählt:

  • Stahl, Gusseisen, Nickellegierungen: F/D² = 30 → HBW 10/3000 (typisch)
  • Kupfer, Kupferlegierungen: F/D² = 10
  • Aluminium, Aluminiumlegierungen: F/D² = 5 oder 2,5
  • Blei, Zinn: F/D² = 1

Einschränkungen

  • Nur bis ca. 650 HBW (oberhalb keine Kugel mehr hart genug)
  • Großer Eindruck — nicht geeignet für dünne Bauteile oder Oberflächenschichten
  • Langsamer als Rockwell (manuelle Auswertemessung des Eindrucks)

Rockwell-Härteprüfung (HR)

Norm: EN ISO 6508-1 / ASTM E18

Prüfprinzip

Beim Rockwell-Verfahren wird die Eindringtiefe des Prüfkörpers gemessen (nicht die Fläche). Das Verfahren arbeitet zweistufig: Vorlast (10 kp) → Prüflast → Rückkehr zur Vorlast. Die Resteindrucktiefe ist das Maß der Rockwell-Härte. Vorteil: Vollautomatisch, sehr schnell.

Wichtigste Rockwell-Skalen

SkalaEindringkörperPrüfkraftAnwendung
HRCDiamantkegel 120°150 kp (1471 N)Gehärteter Stahl, Schnellarbeitsstahl, Hartmetall
HRBStahlkugel 1/16"100 kp (981 N)Weicher Stahl, Aluminiumlegierungen, Messing
HRADiamantkegel 120°60 kp (589 N)Sehr hartes Material, Hartmetall, Cermet
HRFStahlkugel 1/16"60 kpGlühte Kupfer- und Al-Legierungen
HRN, HRTDiamantkegel15–45 kpOberflächenrockwell für dünne Schichten

Weitere Härteprüfverfahren

Knoop-Härte (HK)

Ähnlich Vickers, aber asymmetrischer Rauten-Diamanteindringkörper (l/b ≈ 7:1). Nur eine Diagonale wird gemessen. Sehr kleiner Eindruck — ideal für spröde Werkstoffe, Keramik, Glas und dünne Beschichtungen. Norm: EN ISO 4545.

Leeb-Rückprallhärte (HL)

Ein Prüfkörper (Kugel) wird gegen die Oberfläche geschossen und prallt zurück. HL = (Rückprallgeschwindigkeit / Aufprallgeschwindigkeit) × 1000. Mobiles Verfahren für große, nicht transportable Bauteile (Druckbehälter, Walzen, Schiffsteile). Umrechnung in HV, HB möglich. Norm: EN ISO 16859.

Ultraschall-Kontakt-Impedanz (UCI)

Eindringkörper (Vickers-Diamant) auf einem schwingenden Stab. Die Frequenzverschiebung durch Kontakt mit der Probe ist proportional zur Härte. Mobil und schnell — Vor-Ort-Prüfung bei Druckbehältern und Schweißnähten.

Umwertung zwischen Härteskalen

Exakte Umwertung ist nicht möglich (verfahrensbedingte Unterschiede), aber EN ISO 18265 gibt Umwertetabellen für Stahl. Näherungsweise Umwertung für Stahl:

HVHBWHRCRm (MPa, Näherung)
8076~270
150143~500
200190~660
30028529~1000
40038040~1320
50050~1650
65059~2150

Härteprüfung an Schweißnähten

Ein wichtiges Anwendungsfeld ist die Härteprüfung an Schweißverbindungen nach EN ISO 9015-1/-2. Die Prüfung erfolgt in der Schweißnaht (WM), der Wärmeeinflusszone (HAZ) und dem Grundwerkstoff (BM). Maximal zulässige Härtewerte sind in den Ausführungsnormen festgelegt (z.B. EN 1090: HAZ max. 380 HV 5 für normale Stähle).

Zerstörende Prüfung
Verfahrensvergleich
HV1–3000, universell
HBW<650, grobe Teile
HRC20–70, Stahl gehärtet
HLmobil, vor Ort
Hinweis

Härtewerte unterschiedlicher Verfahren sind nicht direkt vergleichbar. Immer Verfahren und Last angeben: z.B. 250 HV 10

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