RT

Durchstrahlungsprüfung (RT)

Radiographic Testing — Röntgen- und Gammaprüfung in der ZfP

Grundprinzip der Durchstrahlungsprüfung

Bei der Durchstrahlungsprüfung (RT — Radiographic Testing) wird das Prüfobjekt mit ionisierender Strahlung (Röntgenstrahlen oder Gammastrahlung) durchleuchtet. Das hinter dem Bauteil auftreffende Strahlungsbild wird auf einem Film, einer Speicherfolie (CR) oder einem digitalen Flächendetektor (DR) aufgezeichnet.

Ungänzen wie Poren, Lunker, Schlacken, Bindefehler oder Risse (parallel zur Strahlungsrichtung) führen zu lokaler Strahlungserhöhung und erscheinen auf dem Bild als dunkle Stellen auf hellem Hintergrund (Negativdarstellung auf Film).

Wichtige Normen (RT)
  • EN ISO 17636-1: Röntgenprüfung von Schweißnähten — Filmtechnik
  • EN ISO 17636-2: Digitale Detektoren (CR, DR)
  • EN ISO 11699: Klassifizierung von Röntgenfilmen
  • EN ISO 19232: Bildgüteprüfkörper (IQI) für RT
  • EN ISO 10675: Bewertungsstufen für Schweißnähte (RT)
  • DIN 6801 ff.: Strahlenschutz in der ZfP
  • Strahlenschutzverordnung (StrlSchV): Deutsches Recht

Strahlungsquellen

Röntgenstrahler (X-Ray)

Röntgenröhren erzeugen Bremsstrahlung durch Beschleunigung von Elektronen auf eine Metallanode. Die Röhrenspannung (kV) bestimmt die Energie und damit die Durchdringungsfähigkeit:

  • 50–200 kV: dünne Stahlbleche, Aluminium, leichte Legierungen
  • 200–400 kV: Stahlwanddicken bis ca. 80 mm (konventionell)
  • 1–15 MeV (Linac / Betatron): schwere Wanddicken, Gusstücke

Gammastrahler

Radioaktive Isotope emittieren Gammastrahlen und ermöglichen eine kabellose, transportable Prüfung ohne Netzanschluss. Besonders geeignet für Rohrprüfung auf Baustellen und in engen Räumen:

IsotopEnergieHWZAnwendung
Iridium-192 (Ir-192)0,31–0,61 MeV74 TageStahl 20–100 mm; häufigstes Isotop
Selen-75 (Se-75)0,07–0,40 MeV120 TageStahl 10–40 mm; feines Auflösungsvermögen
Cobalt-60 (Co-60)1,17 / 1,33 MeV5,27 JahreStahl 40–200 mm; Großraumkontainer
Ytterbium-169 (Yb-169)0,06–0,31 MeV32 TageDünnwandige Bauteile < 15 mm

Detektionssysteme

Filmradiographie (klassisch)

Das klassische Verfahren: Silberhalogenidfilm in lichtdichter Kassette wird belichtet und nass entwickelt. Filmsysteme werden nach EN ISO 11699 in Klassen C1–C6 eingeteilt (C1 = höchste Auflösung, C6 = allgemein). Die Filmklasse beeinflusst die Prüfklasse nach EN ISO 17636.

  • Prüfklasse A: Standardanforderungen
  • Prüfklasse B: Erhöhte Anforderungen (dickere Wandungen, kritischere Anwendungen)

Computed Radiography (CR) — Speicherfolien

Speicherfolien mit Europium-dotierten Bariumfluorobromid-Kristallen speichern das Strahlenlatentbild. Ein Laser-Scanner liest das Bild aus und wandelt es in digitale Daten um. Vorteile:

  • Wiederverwendbare Folien (bis 1.000 Zyklen)
  • Digitale Bildverarbeitung und Archivierung
  • Kein Chemikalien-Entwicklungsprozess
  • Leicht flexibel — auch für Rohrinnenaufnahmen geeignet

Digital Radiography (DR) — Flächendetektoren

Digitale Flächendetektoren (Flat Panel Detectors, FPD) liefern Echtzeit-Bilder ohne Wartezeit:

  • Direkte Detektoren: Amorphes Selen wandelt Röntgenquanten direkt in elektrische Ladung um
  • Indirekte Detektoren: Szintillator (z.B. CsI) → sichtbares Licht → Fotodioden-Array
  • Real-Time-Radioskopie für Serienprüfungen in der Automobilindustrie
  • Sehr hohe Dynamik und schnelle Bildgebung

Bildgüte und IQI

Die Bildgüte wird mit Bildgüteprüfkörpern (IQI — Image Quality Indicators) nach EN ISO 19232 kontrolliert. Zwei Typen:

  • Draht-IQI: 7 Drähte unterschiedlicher Durchmesser; Mindestdurchmesser, der gerade noch sichtbar ist, gibt die Bildgütezahl an
  • Stufenloch-IQI: Stufenblock mit Löchern; weniger verbreitet in Europa

Strahlenschutz

Der Umgang mit ionisierender Strahlung ist streng geregelt. In Deutschland gilt die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) und das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG).

ALARA-Prinzip

Alle Strahlenexpositionen müssen As Low As Reasonably Achievable gehalten werden. Die drei Strahlenschutzregeln:

  • Abstand: Strahlendosis nimmt mit dem Quadrat des Abstands ab (1/r²)
  • Abschirmung: Blei, Beton oder Stahl absorbieren Strahlung
  • Zeit: Expositionszeit so kurz wie möglich halten

Grenzwerte (Deutschland)

  • Beruflich strahlenexponierte Personen: max. 20 mSv/Jahr (effektiv)
  • Einzelorgane (z.B. Augenlinse): 20 mSv/Jahr
  • Haut, Hände, Füße: 500 mSv/Jahr
  • Minderjährige: 1 mSv/Jahr (Berufsausbildung: 6 mSv)

Strahlenschutzbereiche

  • Kontrollbereich: Strahlenfeld > 3/10 der Grenzwerte
  • Überwachungsbereich: Strahlenfeld > 1/10 der Grenzwerte
  • Personendosimeter (TLD, Filmdosimeter) für alle beruflich exponierten Personen Pflicht

Anwendungsgebiete

  • Schweißnahtprüfung (Rohrleitungen, Druckbehälter, Behälterbau)
  • Gussteilprüfung (Poren, Lunker, Einschlüsse in Aluminium, Stahl, Gusseisen)
  • Schmiedeteilprüfung
  • Prüfung von Klebeverbindungen und Verbundwerkstoffen
  • Kernkraftwerke (Rohrleitungen, Behälter)
  • Petrochemie (Pipelines, Tanks)
  • Luftfahrt (Gusstücke, Schweißnähte, Wabenstrukturen)
  • Kunstgüter und Archäologie (zerstörungsfreie Analyse)

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile / Grenzen
  • Dauerhafter Bildnachweis (Film, Digital)
  • Volumenfehler gut erkennbar
  • Für fast alle Werkstoffe geeignet
  • Unabhängig von Werkstoffeigenschaften
  • Ionisierende Strahlung — aufwändiger Strahlenschutz
  • Risse quer zur Strahlungsrichtung kaum detektierbar
  • Keine genaue Tiefenangabe des Fehlers
  • Genehmigungspflichtig nach StrlSchV
  • Langsamer als UT bei großen Wanddicken
ZfP-Verfahren
Strahlenschutz

RT-Prüfungen erfordern einen genehmigten Strahlenschutzverantwortlichen. Nur ausgebildetes und zertifiziertes Personal darf Strahler bedienen.

Zertifizierung RT

EN ISO 9712 Stufe 1–3 für RT

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