Studium Materialwissenschaft und Werkstofftechnik

Materialwissenschaft und Werkstofftechnik studieren — die führenden Universitäten, Studieninhalte, Unterschiede zur Ausbildung und Berufsaussichten mit Gehaltsangaben.

Materialwissenschaft vs. Werkstofftechnik

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Materialwissenschaft: Stärkerer Fokus auf Grundlagenforschung — Struktur, Eigenschaften und Zusammenhänge auf atomarer und mikrostruktureller Ebene. Mehr Physik und Chemie im Studium.
  • Werkstofftechnik: Stärkerer Fokus auf Anwendung — Verarbeitung, Qualitätssicherung, Bauteilprüfung, industrielle Fertigungsprozesse. Mehr Ingenieurwissenschaften.

Viele Universitäten bieten kombinierte Studiengänge an: "Materialwissenschaft und Werkstofftechnik".

Unterschied zur Ausbildung als Werkstoffprüfer

KriteriumAusbildung WerkstoffprüferStudium Materialwissenschaft
Dauer3,5 Jahre6–8 Semester (B.Sc.) + 4 Semester (M.Sc.)
AbschlussIHK (DQR 4)Bachelor/Master (DQR 6/7)
SchwerpunktOperative PrüftätigkeitF&E, Leitungsfunktionen, Forschung
Einstiegsgehalt~42.000 €/Jahr~45.100 €/Jahr (B.Sc.), ~50.100 €/Jahr (M.Sc.)
Potenzial (>10 Jahre)bis ~55.000 €/Jahrüber 90.000 €/Jahr möglich

Führende Universitäten in Deutschland

UniversitätStudiengangAbschlussRegelstudienzeit
RWTH AachenMaterialwissenschaften B.Sc.B.Sc.6 Semester
RWTH AachenMaterialwissenschaften M.Sc.M.Sc.4 Semester
TU DarmstadtMaterialwissenschaft B.Sc.B.Sc.6 Semester
TU BerlinMaterialwissenschaften und Werkstofftechnik B.Sc.B.Sc.6 Semester
Universität StuttgartMaterialwissenschaft B.Sc.B.Sc.6 Semester
TU ClausthalMaterialwissenschaft und Werkstofftechnik B.Sc.B.Sc.6 Semester
TU München (TUM)Materialwissenschaft und IngenieurwesenB.Sc.6 Semester

RWTH Aachen zählt zu den renommiertesten Standorten in Europa. TU Darmstadt gliedert sich in 16 Fachgebiete — von Physikalischer Metallkunde über Dünne Schichten bis Funktionsmaterialien.

Typische Studieninhalte

Grundlagensemester (1.–2. Semester)

  • Mathematik (Analysis, Lineare Algebra, Statistik)
  • Physik (Mechanik, Elektrodynamik, Quantenmechanik Grundlagen)
  • Chemie (Allgemeine, Anorganische, Organische Chemie)
  • Einführung Materialwissenschaft

Fachsemester (3.–6. Semester)

  • Metallkunde: Kristallstruktur, Diffusion, Phasenumwandlungen, Legierungssysteme
  • Polymere: Synthesewege, Verarbeitung, Eigenschaften, Analytik
  • Keramik und Glas: Hochtemperaturmaterialien, Sinterwerkstoffe
  • Verbundwerkstoffe: CFK, GFK, Metallmatrixkomposite
  • Werkstoffcharakterisierung und -prüfung: Röntgenbeugung, REM, Zugversuch, ZfP
  • Thermodynamik der Werkstoffe, Kinetik
  • Oberflächentechnik, Korrosion, Beschichtungen
  • Simulation und Modellierung von Werkstoffeigenschaften
  • Bachelorarbeit (meist in einem Forschungslabor oder Industriekooperation)

Spezialisierungsmöglichkeiten im Master

  • Funktionsmaterialien (Halbleiter, Supraleiter, Magnetmaterialien)
  • Biomaterialien und Medizintechnik
  • Leichtbauwerkstoffe (Aluminium, Titan, CFK)
  • Energiematerialien (Solarzellen, Batterien, Brennstoffzellen)
  • Werkstoffmodellierung und Simulation
  • Zerstörungsfreie Prüfung und Qualitätssicherung

Berufsaussichten und Einstiegsgehälter

Werkstofftechnik-Absolventen sind in nahezu allen Industriebranchen gefragt:

  • Automobilindustrie: F&E, Leichtbau, Korrosionsschutz
  • Luft-/Raumfahrt: Einstiegsgehalt ca. 58.600 €/Jahr — höchste Branche
  • Pharma/Medizintechnik: ca. 58.100 €/Jahr
  • Metallindustrie: ca. 56.600 €/Jahr
  • Chemie: Gute Tarifverträge (IGBCE)
  • Forschung (Fraunhofer, Universitäten): Postdoktoranden ca. 55.000–65.000 €/Jahr
  • Nach 10+ Jahren: über 90.000 €/Jahr in Führungspositionen möglich

Zulassung und Studienstart

  • Voraussetzung: Abitur oder Fachhochschulreife (für FH/DHBW)
  • NC: Meist kein oder niedriger NC — Ingenieursstudiengänge haben häufig freie Studienplätze
  • Bewerbungsfristen: 15. Juli (Wintersemester), 15. Januar (Sommersemester)
  • Besonderheit Clausthal: Keine Studiengebühren, kostenlose Kinderbetreuung, kleines Universitätsstädtchen