Schweißnahtkarte / Weld Map – Dokumentation von Schweißverbindungen
Eine Schweißnahtkarte (englisch: Weld Map) ist ein technisches Dokument, das alle Schweißnähte eines Bauteils, einer Baugruppe oder einer gesamten Anlage systematisch erfasst, identifiziert und mit relevanten Metadaten verknüpft. Sie ist ein unverzichtbares Werkzeug der Fertigungs- und Qualitätssicherungsdokumentation im Anlagen-, Behälter- und Rohrleitungsbau sowie in der Luft- und Raumfahrt.
Inhalt und Struktur einer Weld Map
Eine vollständige Schweißnahtkarte enthält für jede einzelne Schweißnaht mindestens folgende Informationen:
- Eindeutige Nahtkennung (Weld ID / Weld Number) – z. B. alphanumerischer Code, der die Naht im Bauteil eindeutig identifiziert
- Bauteil- und Zeichnungsreferenz – Verweis auf zugehörige Fertigungs- oder Isometriezeichnung
- Schweißverfahren (WPS) – Verweis auf die angewandte Schweißverfahrensspezifikation
- Schweißer- oder Bedieneridentifikation – Name oder Stempelkennzeichen des qualifizierten Schweißers
- Nahtgeometrie und -position – Stoß- oder Kehlnaht, Schweißposition (PA, PB, PC …)
- Prüfanforderungen und -ergebnisse – geforderte ZfP-Methoden (RT, UT, MT, PT), Prüfumfang (%) und Prüfergebnis (i.O. / n.i.O.)
- Wärmebehandlung – Vorwärm- und Nachglühtemperaturen, falls vorgeschrieben
- Datum der Schweißung und Chargenangaben der Schweißzusatzwerkstoffe
Erstellung und Integration in den Fertigungsprozess
Schweißnahtkarten werden in der Regel im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems (QMS) erstellt und gepflegt. Sie können als einfache tabellarische Liste, als annotierte isometrische Zeichnung (Iso-Zeichnung mit Weld-ID-Markierungen) oder in digitalen Systemen (z. B. als Teil eines Plant-3D-Modells oder eines speziellen Weld-Management-Systems) geführt werden. Die digitale Integration ermöglicht die automatische Verknüpfung mit Prüfberichten, Zertifikaten und dem Anlageninformationssystem (AIM).
Normative Anforderungen
Zahlreiche Regelwerke schreiben eine Schweißnahtkarte vor oder setzen ihre Existenz voraus, darunter: EN 13480 (Industrielle Rohrleitungen), EN 13445 (Druckbehälter), ASME BPVC Section I und VIII, AD 2000 Merkblatt HP sowie Quality Plans nach ISO 9001. In der Luftfahrt fordern EN 9102 (First Article Inspection) und die Konstruktions-Freigabe-Dokumentation eine vollständige Nahtdokumentation.
Bedeutung für ZfP und Instandhaltung
Im Betrieb dient die Schweißnahtkarte als Grundlage für wiederkehrende Prüfungen (z. B. nach DGRL 2014/68/EU) und für risikobasierte Inspektionsprogramme (RBI). Sie ermöglicht die lückenlose Rückverfolgbarkeit jeder Schweißnaht über den gesamten Lebenszyklus der Anlage und ist bei Schadensuntersuchungen unverzichtbar.