Prüfanweisung (Written Instruction) in der ZfP
Die Prüfanweisung — im englischen Sprachraum als Written Instruction oder Procedure bezeichnet — ist das zentrale Steuerungsdokument einer jeden ZfP-Prüfung. Sie legt verbindlich fest, wie eine Prüfung durchzuführen ist, und stellt sicher, dass alle Prüfer das gleiche, qualifizierte Vorgehen anwenden. In sicherheitsrelevanten Bereichen (Luftfahrt, Kerntechnik, Druckbehälter) ist die schriftliche Prüfanweisung zwingend vorgeschrieben.
Normative Grundlagen
Die Anforderungen an Prüfanweisungen sind in mehreren Normen verankert:
- EN ISO 9712: Schreibt für Stufe 2- und Stufe 3-Personal die Nutzung qualifizierter schriftlicher Prüfanweisungen vor.
- EN ISO 17635: Allgemeine Regeln für die ZfP von Schweißverbindungen, verweist auf verfahrensspezifische Normen und deren Anforderungen an Prüfanweisungen.
- ASME, NAS 410, NADCAP: Luftfahrt- und Kerntechnikstandards mit spezifischen Anforderungen an Format, Inhalt und Genehmigungsprozess.
- EN 4179 / NAS 410: Luft- und Raumfahrt, fordert Written Instructions für alle ZfP-Verfahren, die auf Flugzeugsicherheit Einfluss haben.
Inhalt einer Prüfanweisung
Eine vollständige Prüfanweisung enthält mindestens die folgenden Elemente:
- Anwendungsbereich: Bauteil, Werkstoff, Prüfgeometrie, Wanddickenbereiche, Schweißnahtarten.
- Prüfverfahren und Technik: Gewähltes ZfP-Verfahren (UT, RT, PT, MT, ET …), Prüftechnik (z. B. Impuls-Echo, Tandem, TOFD).
- Normative Bezüge: Liste der angewandten Normen und Regelwerke.
- Prüfmittel und Geräte: Gerätetypen, Prüfköpfe, Prüfmittelkennzeichnungen, Kalibrieranforderungen.
- Prüfparameter: Frequenz, Prüfgeschwindigkeit, Empfindlichkeit, Magnetfeldstärke, Einwirkzeiten etc.
- Vorbereitung des Prüfgegenstands: Oberflächenvorbereitung, Temperaturanforderungen, Beschichtungen.
- Durchführung: Schrittweise Anleitung der Prüfung, Prüfrichtungen, Scanbewegungen.
- Kalibrierung und Gerätecheck: Verfahren und Häufigkeit der Kalibrierung.
- Anzeigenauswertung und Bewertung: Bewertungsmaßstäbe, Akzeptanzkriterien, Normreferenz.
- Dokumentation: Berichtspflichten, Formblätter, Aufzeichnungsanforderungen.
- Qualifikationsanforderungen: Mindestqualifikation (Stufe, Zertifikat) des durchführenden Personals.
Erstellung und Freigabeprozess
Die Erstellung einer Prüfanweisung erfolgt typischerweise durch qualifiziertes Stufe-3-Personal mit entsprechender Fachkompetenz für das jeweilige Verfahren. Der Freigabeprozess umfasst:
- Erstellung: Durch Stufe-3-Fachmann auf Basis von Normen, Zeichnungen und Spezifikationen.
- Technische Prüfung: Gegenlesen durch eine zweite Fachkraft (Four-Eyes-Principle).
- Qualifizierung: Bei bestimmten Anwendungen (z. B. TOFD, Phased Array) ist eine Verfahrensqualifikation nach EN ISO 18563 oder ASME Code Cases erforderlich.
- Freigabe: Unterschrift durch autorisierten Verantwortlichen (Level 3, QM-Manager oder Kunde).
- Versionskontrolle: Jede Revision erhält eine neue Revisionsnummer; veraltete Versionen werden gesperrt.