Leckprüfung LT – Grundlagen, Einheiten und Verfahrensübersicht
Die Leckprüfung (engl. Leak Testing, Abkürzung LT) ist eine der sechs klassischen zerstörungsfreien Prüfmethoden (ZfP) und dient dem Nachweis von Undichtigkeiten in Bauteilen, Behältern, Rohrleitungen und Schweißnähten. Sie ist in der Norm EN ISO 9712 als eigenständige ZfP-Methode anerkannt, für die eine formale Qualifikation und Zertifizierung von Prüfpersonal möglich ist.
Definition der Leckrate
Eine Leckstelle wird durch ihre Leckrate Q charakterisiert. Die Leckrate beschreibt den Gasdurchfluss durch eine Undichtigkeit pro Zeiteinheit. Die gebräuchlichste SI-konforme Einheit ist Pa·m³/s; in der Praxis ist jedoch die Einheit mbar·l/s weit verbreitet. Der Umrechnungsfaktor beträgt: 1 mbar·l/s = 0,1 Pa·m³/s. Weitere verwendete Einheiten sind atm·cm³/s, scc/s (standard cubic centimeters per second) oder Torr·l/s. Für internationale Vergleiche ist die Verwendung von Pa·m³/s empfohlen.
Leckraten-Größenordnungen
Die nachweisbaren Leckraten spannen viele Dekaden auf:
- 10⁻¹ mbar·l/s: Grobe Undichtigkeit, spürbar als Luftzug
- 10⁻³ mbar·l/s: Nachweisbar mit Blasenlecktest
- 10⁻⁵ mbar·l/s: Druckabfallmethode, H₂-Schnüffeln
- 10⁻⁷ mbar·l/s: Helium-Schnüffelmethode
- 10⁻¹² mbar·l/s: Helium-Vakuummethode (integrale Prüfung)
Verfahrensübersicht nach EN 1779
Die Norm EN 1779 (Zerstörungsfreie Prüfung – Dichtheitsprüfung – Kriterien für die Wahl von Prüfmethoden und -verfahren) klassifiziert die Leckprüfverfahren in folgende Hauptgruppen:
- Gruppe A – Massenspektrometrische Prüfung: Helium-Vakuummethode, Helium-Schnüffelmethode
- Gruppe B – Blasenprüfung: Unterwassermethode, Schaumbildnermethode, Vakuumkastenprüfung
- Gruppe C – Druckänderungsverfahren: Druckabfallmethode, Druckanstiegsmethode
- Gruppe D – Halogenprüfung: Halogen-Schnüffelmethode (FCKW-frei)
- Gruppe E – Prüfgasverfahren: H₂-Schnüffeln, SF₆-Schnüffeln
Auswahl des geeigneten Verfahrens
Die Auswahl des geeigneten Verfahrens richtet sich nach der geforderten Nachweisempfindlichkeit, dem Prüfobjekt (Größe, Geometrie, Zugänglichkeit), dem zulässigen Prüfmitteleinsatz, wirtschaftlichen Aspekten und den geltenden normativen Anforderungen. EN 1779 stellt dazu eine systematische Entscheidungsmatrix bereit. Für sicherheitskritische Anwendungen in der Kernkrafttechnik gelten zusätzlich die Anforderungen der KTA 3201.4 (Deutschland) bzw. ASME Section V (USA).
Qualifikation des Prüfpersonals
Prüfpersonal für die Leckprüfung wird nach EN ISO 9712 in drei Stufen qualifiziert (Stufe 1, 2, 3). Die Stufe 2 berechtigt zur selbstständigen Durchführung, Auswertung und Befunddokumentation. In der Luftfahrt gelten ergänzend die Anforderungen der EN 4179 bzw. NAS 410.