Faserverbundwerkstoffe (CFK/GFK) in der ZfP

Faserverbundwerkstoffe (CFK, GFK) sind anisotrop und schwer zu prüfen. Ultraschall, Thermografie und Röntgen-CT sind die wichtigsten ZfP-Methoden für Delaminationen, Poren und Impactschäden.

Was sind Faserverbundwerkstoffe?

Faserverbundwerkstoffe (FVW) bestehen aus eingebetteten Fasern (Verstärkung) in einer Polymermatrix (Bindung). Die Kombination erreicht hohe spezifische Festigkeit (Festigkeit / Dichte) bei geringem Gewicht.

AbkürzungFasernMatrixAnwendung
CFKKohlenstofffasern (Carbon)EpoxidharzLuftfahrt, Motorsport, Windrotorblätter
GFKGlasfasernPolyester/EpoxidBootsbau, Windrotorblätter, Behälter
AFKAramidfasern (Kevlar®)EpoxidharzSchutzausrüstung, Rüstung

Besondere Herausforderungen bei der ZfP

  • Anisotropie: Materialeigenschaften variieren je nach Faserrichtung → Schallgeschwindigkeit ist richtungsabhängig
  • Hohe Dämpfung: Ultraschall wird in FVW stark gedämpft, Eindringtiefe begrenzt
  • Kein Ferromagnetismus: MT ausgeschlossen
  • Elektrische Leitfähigkeit: CFK leitet Strom (Kohlenstoff), GFK nicht → ET nur bei CFK begrenzt möglich

Geeignete ZfP-Methoden

Ultraschall (UT) — Hauptmethode für FVW

Immersionsprüfung oder Wasservorlaufstrecken sind Standard für CFK-Platten und -Schalen. Typische Fehler: Delaminationen (fehlende Bindung zwischen Lagen), Poren, Einschlüsse, Impactschäden. Phased Array und Squirter-Systeme für automatisierte Flächenprüfung in der Luftfahrtfertigung (z. B. Airbus A350-Rumpfsegmente).

Aktive Thermografie (TT)

Blitzthermografie erfasst Delaminationen und Impact-Schäden hervorragend. Der Wärmefluss wird durch Lufteinschlüsse unterbrochen → thermischer Kontrast. Schnell und großflächig ohne Koppelmittel. Genormt nach DIN EN 16714-1 und DIN EN 17119.

Industrielle CT

Vollständige 3D-Charakterisierung von Poren, Faserausrichtung und Einschlüssen. Einschränkung: Bauteilgröße (Rekonstruktionsfeld ≤ 400 mm bei Standardsystemen). Bei CFK: Überstrahlung durch Metall-Inserts beachten.

Shearografie

Optisches Verfahren, misst Verformungsgradienten unter Last oder Vakuum. Sehr effektiv für Delaminations-Screening großer Flächen. Wird in der Luftfahrt (Rotorblätter, Ruder) eingesetzt.

Typische Fehlerbilder

  • Delamination: Trennung zwischen Lagen, durch Impact, Ermüdung oder Fertigungsfehler
  • Poren / Porennester: Gaseinschlüsse beim Aushärten (Autoclave-Prozess)
  • Impactschäden: sichtbar (BVID = Barely Visible Impact Damage) oder verdeckt
  • Harzreiche/-arme Zonen: ungleichmäßige Faserverteilung
  • Faserorientierungsfehler: Falsch gelegte Lagen

Normenlage

Eine allgemeine ZfP-Norm speziell für FVW fehlt noch weitgehend. Angewendet werden: prEN 4179 (Luftfahrt), ASTM E2533 (UT-Standard für Composites), interne OEM-Spezifikationen (Airbus AITM, Boeing BMS). ISO/ASTM 52900 adressiert Additive Fertigung mit FVW-Vorläufern.