EN ISO 15614-1 – Schweißverfahrensprüfung: WPS und WPQR
Die Norm EN ISO 15614-1 legt die Anforderungen an die Prüfung von Schweißverfahren für das Lichtbogenschweißen von Stahl sowie für das Gasschweißen von Stahl fest. Sie definiert, wie eine Schweißverfahrensspezifikation (WPS) durch eine Schweißverfahrensprüfung (WPQR) qualifiziert wird.
Schweißverfahrensspezifikation (WPS)
Die WPS (Welding Procedure Specification) ist das Kerndokument, das alle wesentlichen und ergänzenden Variablen des Schweißverfahrens festlegt:
- Grundwerkstoff(gruppe) nach EN ISO 15608
- Zusatzwerkstoff, Schutzgas, Wärmeführung
- Nahtgeometrie, Schweißposition, Streckenenergie
- Vor- und Nachwärmbedingungen
- Geltungsbereich (Wanddicke, Durchmesser, Werkstoffgruppe)
Schweißverfahrensprüfung (WPQR)
Die WPQR (Welding Procedure Qualification Record) dokumentiert die Ergebnisse der Prüfstücke, die unter kontrollierten Bedingungen nach der vWPS (vorläufigen WPS) hergestellt wurden. Folgende Prüfungen sind vorgeschrieben:
- Zerstörungsfreie Prüfung: Sichtprüfung (VT), Radiographie (RT) oder Ultraschall (UT) gemäß EN ISO 17636 / EN ISO 17640
- Zerstörende Prüfungen: Querzugversuch, Biegeversuch (Wurzel und Deckseite), Kerbschlagbiegeversuch, Härteprüfung, Makroschliff
- Optional: Korrosionsprüfung, Austenitgehalt bei nichtrostenden Stählen
Gültigkeitsbereich der Qualifikation
Eine einmal erstellte WPQR deckt einen definierten Gültigkeitsbereich ab. Wesentliche Änderungen an Schweißparametern erfordern eine neue Prüfstückserie. EN ISO 15614-1 definiert genau, welche Änderungen den Gültigkeitsbereich berühren (z. B. Wechsel der Werkstoffgruppe, Überschreiten der qualifizierten Wanddicke um mehr als das Zulässige, Wechsel des Schweißprozesses).
Bedeutung in der Praxis
WPQR und WPS sind Grundlage für die CE-Kennzeichnung von Schweißkonstruktionen nach EN 1090. Ohne gültige WPQR darf keine Schweißnaht in sicherheitsrelevanten Bauteilen ausgeführt werden. Die Dokumente müssen dem Kunden, dem Hersteller und dem Überwachungsorgan zugänglich sein.