EN ISO 15548 – Wirbelstrom-Prüfsysteme: Kalibrierung und Gerätecharakterisierung
Die Norm EN ISO 15548 legt Anforderungen an Wirbelstrom-Prüfgeräte und -systeme fest. Sie ist in drei Teile gegliedert und deckt Geräteeigenschaften, Prüfspulen- und Sondensysteme sowie Systemkalibrierung ab. Die Norm bildet zusammen mit EN ISO 15549 (Allgemeine Grundsätze ET) das normative Fundament für die Wirbelstromprüfung.
EN ISO 15548-1: Geräteeigenschaften
Teil 1 definiert die messtechnischen Eigenschaften von Wirbelstromgeräten:
- Frequenzbereich: Das Gerät muss den für die jeweilige Anwendung erforderlichen Frequenzbereich (typisch 100 Hz bis 10 MHz) abdecken können
- Verstärkungs- und Phasenregelung: Mindestauflösung der Verstärkungseinstellung (typisch 0,5 dB); Phasendrehung in 1°-Schritten oder feiner
- Impedanzebendarstellung: Anzeige des komplexen Signals in der Impedanzebene (X/Y-Darstellung); ermöglicht Unterscheidung von Rissen, Wanddickenverlust und Leitfähigkeitsänderungen
- Mehrkanaligkeit: Anforderungen an Mehrkanal-ET-Systeme für automatisierte Prüfungen
EN ISO 15548-2: Prüfspulen und Sonden
Teil 2 behandelt Anforderungen an induktive Messelemente:
- Absolutspulen, Differenzspulen und externe Referenzspulen; deren Einsatzgebiete und Vor-/Nachteile
- Innenspulen für Rohrprüfungen; Außenspulen (Durchlaufspulen) für Stabmaterial
- Abtastsonden (Pencil Probes) für Oberflächenprüfungen
- Kenngrößen: Füllfaktor, Prüfspulenfrequenz, Empfindlichkeitsprofil
EN ISO 15548-3: Systemcharakterisierung
Teil 3 beschreibt die Charakterisierung des Gesamtsystems (Gerät + Sonde + Referenzkörper):
- Referenzkörper mit definierten Kerben, Bohrungen oder Wanddickenverlusten; werkstoffidentisch mit dem Prüfobjekt
- Kalibrierverfahren: Einstellen von Verstärkung und Phase so, dass Referenzfehler bei definiertem Signalpegel erscheinen
- Wiederholkalibrierung: Intervalle und Akzeptanzkriterien für Gerätestabilität
Praktische Bedeutung
EN ISO 15548 wird eingesetzt bei der Rohrprüfung in Wärmetauschern (Kraftwerke, Chemie), der Oberflächenrissprüfung, der Leitfähigkeits- und Schichtdickenmessung sowie bei automatisierten Hochgeschwindigkeitsprüfungen von Halbzeugen (Rohre, Stäbe, Bleche). Die Norm ist Grundlage für die Gerätequalifikation bei Prüfungen nach ASME Sec. V und diversen EN-Produktnormen.