DIN EN ISO 9934-1: Magnetpulverprüfung – Allgemeine Grundlagen

DIN EN ISO 9934-1 ist die Grundlagennorm der Magnetpulverprüfung und legt Verfahrensprinzip, Magnetisierungsverfahren, Prüfmittel und Bewertung fest.

Norm DIN EN ISO 9934-1

DIN EN ISO 9934-1:2017-03 „Zerstörungsfreie Prüfung – Magnetpulverprüfung – Teil 1: Allgemeine Grundlagen" ist die zentrale Ausführungsnorm für die Magnetpulverprüfung (Magnetic Particle Testing, MT) an ferromagnetischen Werkstoffen.

Physikalisches Prinzip

In einem magnetisierten Bauteil treten an Oberflächen- und oberflächennahen Unregelmäßigkeiten (Risse, Poren, Bindefehler) Streufeldlinien aus. Aufgebrachte ferromagnetische Partikel (Magnetpulver) lagern sich an diesen Streufeldern ab und machen Anzeigen sichtbar.

Magnetisierungsverfahren

  • Gleichstrommagnetisierung (DC): Tiefenwirkung bis ~6 mm; für tieferliegende Fehler
  • Wechselstrommagnetisierung (AC): Nur Oberflächennähe; höchste Empfindlichkeit an der Oberfläche
  • Halbwellengleichstrom (HWDC): Kompromiss; gute Mobilität der Partikel durch Vibrationseffekt
  • Jochmagnetisierung: Portabel; für lokale Prüfung im Feld
  • Durchflutung (Stromdurchflutung): Zirkuläres Feld; für Risse in Längsrichtung
  • Spulenmagnetisierung: Longitudinales Feld; für Querrisse

Prüfmittel

  • Trockenpulver: Grob, für raue Oberflächen und hohe Temperaturen
  • Nassverfahren: Fein suspendierte Partikel in Wasser oder Öl; höhere Empfindlichkeit
  • Fluoreszenzpulver (UV-A): Beste Empfindlichkeit; Beurteilung unter UV-A-Licht (365 nm)

Anforderungen an die Prüfung

  • Feldstärke: 2 kA/m bis 6 kA/m an der Prüffläche (Tangentialfeld)
  • Betrachtungsbedingungen nach DIN EN ISO 3059
  • Feldrichtung senkrecht zur erwarteten Fehlerrichtung
  • Mindestens zwei Magnetisierungsrichtungen (90° zueinander)

Verwandte Normen

  • DIN EN ISO 9934-2: Prüfmittel
  • DIN EN ISO 9934-3: Geräte
  • DIN EN ISO 3059: Betrachtungsbedingungen
  • DIN EN ISO 12707: Vokabular
  • DIN EN ISO 23278: Zulässigkeitsgrenzen für Schweißverbindungen