Aluminiumlegierungen in der Werkstoffprüfung

Aluminiumlegierungen stellen ZfP-Prüfer vor besondere Herausforderungen: nicht ferromagnetisch, geringe Dichte, hohe Wärmeleitfähigkeit – welche Methoden funktionieren und welche nicht.

Grundeigenschaften und Prüfrelevanz

Aluminium (Al) ist mit einer Dichte von 2,7 g/cm³ etwa dreimal leichter als Stahl (7,85 g/cm³). Es ist nicht ferromagnetisch — Magnetpulverprüfung (MT) ist daher ausgeschlossen. Aluminium ist elektrisch gut leitfähig, was die Wirbelstromprüfung (ET) sehr effektiv macht.

Bezeichnungssystem nach EN 573

SerieHauptlegierungselementTypische Anwendung
1xxxReinaluminium (≥ 99 % Al)Elektroleiter, Chemie
2xxxKupfer (Cu)Luftfahrt (Duraluminium, AA 2024)
3xxxMangan (Mn)Lebensmittelbehälter, Getränkedosen
5xxxMagnesium (Mg)Schiffbau, Meerestechnik
6xxxMagnesium + SiliziumProfile, Konstruktion (EN AW-6082)
7xxxZink (Zn)Höchstfeste Luftfahrtlegierungen (AA 7075)

Geeignete ZfP-Methoden

Ultraschallprüfung (UT)

Gut geeignet für Wanddickenmessung und Schweißnahtprüfung. Schallgeschwindigkeit in Aluminium: ~6320 m/s (Längswelle) — deutlich höher als in Stahl (5920 m/s). Niedrigere akustische Impedanz → bessere Einkopplung, aber auch höhere Reflektion an Luft-Einschlüssen. Typische Frequenzen: 5–15 MHz.

Durchstrahlungsprüfung (RT)

Aluminium schwächt Röntgenstrahlung deutlich weniger als Stahl (niedrigere Ordnungszahl Z=13 vs. Z=26). Für gleiche Wanddicke werden niedrigere Röhrenspannungen benötigt (ca. 1/3 der Spannung für Stahl). Porosität und Lunker in Aluminiumguss sind RT-typische Befunde. Norm: ISO 10675-2 für Bewertungsgrenzen an Al-Schweißnähten.

Eindringprüfung (PT)

Sehr gut geeignet — Al ist chemisch stabil gegenüber den meisten Eindringmitteln. Fluoreszenz-PT für kleinste Risse in Luftfahrtkomponenten. Beachten: Anodisierte (eloxierte) Oberflächen müssen vor der PT entfernt werden, da die Oxidschicht die Poren verschließt.

Wirbelstromprüfung (ET)

Ideal für Oberflächenrisse, Korrosion und Schichtdickenmessung. Leitfähigkeit von Aluminium: 17–37 MS/m (je nach Legierung). Skin-Depth-Berechnung: δ = 503/√(f·σ·µr). Bei 100 kHz und σ = 25 MS/m: δ ≈ 0,3 mm.

Typische Fehler in Aluminiumteilen

  • Gussporen: Wasserstoffporen beim Erstarren, rund, einzeln oder als Cluster
  • Schrumpfungshohlräume (Lunker): unregelmäßige Form, an Erstarrungsfront
  • Schweißrisse: Heißrisse (Solidifikationsrisse) bei hochlegierten Al-Legierungen
  • Korrosion: Lochkorrosion (Pitting), interkristalline Korrosion, Spannungsrisskorrosion
  • Ermüdungsrisse: typisch in Luftfahrt, ausgehend von Nieten, Bohrungen