EN 13477, ASTM E1316
Grundprinzip der Schallemissionsprüfung
Bei der Schallemissionsprüfung (AE — Acoustic Emission Testing) werden die transienten elastischen Wellen erfasst, die beim Entstehen oder Wachsen von Rissen, Plastifizierungsprozessen oder Delamination im Material entstehen. Piezoelektrische Sensoren auf der Bauteiloberfläche detektieren diese Signale. Durch Laufzeitunterschiede zwischen mehreren Sensoren kann die Quelle des Schadens geortet werden.
AE ist das einzige ZfP-Verfahren, das Bauteile unter Last und während des Betriebs überwachen kann — es "hört" dem Material beim Versagen zu.
Was macht ein AE-Prüfer?
- Sensoraufbau: Piezo-Sensoren mit Koppelmittel befestigen, Vorverstärker anschließen
- Kalibrierung: Hsu-Nielsen-Quelle (Bleistiftminenbruch) zur Empfindlichkeitskontrolle
- Belastungsdurchführung: Bauteil wird unter definierten Druck- oder Kraftstufen belastet
- Echtzeit-Monitoring: Signalereignisse nach Hitparameter (Amplitude, Energie, Risetime) klassifizieren
- Quellenortung und Auswertung: Zeitdifferenz-Ortung, Bewertung nach EN 13477 / ASTM E1316
Einsatzbranchen
Application Areas
Druckbehälter- und Rohrleitungsüberwachung unter Betriebsdruck, Kran- und Brückeninspektion, Überwachung von Faserverbundstrukturen (CFK), Erdgasflaschen-Prüfung, Strukturüberwachung (SHM) großer Bauwerke.
✓ Advantages
- Einziges ZfP-Verfahren für aktive Rissfortschrittsüberwachung
- Gesamtvolumen-Überwachung mit wenigen Sensoren
- Ortung der Schallemissionsquelle (Quelle des Schadens) möglich
- Prüfung unter Betriebsbedingungen ohne Produktionsunterbrechung
✗ Disadvantages
- Nur aktive (wachsende) Fehler detektierbar — ruhende Risse nicht
- Signalinterpretation sehr komplex, viel Erfahrung nötig
- Störgeräusche (Betrieb, Reibung) können Ergebnisse verfälschen
- Keine quantitative Fehlergrößenbestimmung möglich