Prüfung unter Beschichtung
Die Prüfung unter Beschichtung bezeichnet den Einsatz zerstörungsfreier Prüfverfahren, die Defekte und Wanddickenverluste im Grundwerkstoff erkennen, ohne dass Lack, Epoxidharz, Zinkschicht oder andere Schutzbeschichtungen entfernt werden müssen. Dies spart erhebliche Kosten und Zeit, da aufwändige Abreinigung, Sandstrahlen und anschließende Neubeschichtung entfallen.
Herausforderungen durch Beschichtungen
Beschichtungen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Prüfverfahren: Lacke und Epoxidbeschichtungen können je nach System 0,1 bis 10 mm dick sein. Metallic-Beschichtungen (Zink, Aluminium) sind elektrisch leitfähig und beeinflussen elektromagnetische Verfahren. Nichtleitende Beschichtungen beeinflussen UT-Kopplung und Laufzeitmessung. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens hängt von Beschichtungstyp, -dicke und der Art des gesuchten Defekts ab.
Wirbelstrom (ET) durch Beschichtungen
Konventionelle Wirbelstromverfahren und ACFM können durch nichtleitende Beschichtungen hindurch prüfen. Die Eindringtiefe der Wirbelströme ist jedoch begrenzt (Skineffekt), sodass nur oberflächennahe Defekte im Grundwerkstoff detektierbar sind. Bei leitfähigen Beschichtungen (Zink) wird das Signal verzerrt und muss kompensiert werden. Pulsed Eddy Current (PEC) eignet sich für dickere nichtleitende Schichten (Isolierung bis mehrere Zentimeter) und liefert gemittelte Wanddickeninformationen.
Ultraschall (UT) unter Beschichtungen
Standard-Kontakt-UT kann bei guter Ankopplung auch durch Beschichtungen hindurch Wanddicken messen, wenn die Beschichtung gleichmäßig und blasenfrei haftet. Einschränkungen bestehen bei Hohlstellen, Blasen oder inhomogenen Beschichtungen, die Störechos erzeugen. Spezielle Mehrfachechoauswertung (Multiple Echo) ermöglicht die Wanddickenmessung unabhängig von der Beschichtungsdicke.
Magnetischer Streufluss (MFL) unter Beschichtung
MFL-Verfahren sind wenig empfindlich gegenüber nichtleitenden Beschichtungen, da der magnetische Fluss durch nicht-ferromagnetische Schichten nahezu ungehindert dringt. MFL-Tankscangeräte prüfen Behälterböden regelmäßig ohne Entfernung von Beschichtungen bis ca. 6 mm Dicke.
Thermografie und Radiografie
Aktive Infrarot-Thermografie detektiert Hohl- und Fehlstellen unter Beschichtungen durch unterschiedliches Wärmespeicher- und Leitverhalten. Radiografische Verfahren (X-Ray, RT) durchdringen Beschichtungen nahezu verlustlos und eignen sich für die Detektion von Wanddickenverlusten unter Dämmung und Korrosionsschutz.
Verfahrenswahl
Die Auswahl des optimalen Prüfverfahrens hängt von Beschichtungsart und -dicke, Werkstoff (ferromagnetisch/nichtferromagnetisch), Defektart (Riss, Korrosion, Wanddicke) und Zugänglichkeit ab. In der Praxis werden häufig mehrere komplementäre Verfahren kombiniert, um eine zuverlässige Beurteilung zu gewährleisten.