Stationäre Magnetisierungsanlage für die Magnetpulverprüfung

Stationäre Magnetisierungsanlagen kombinieren Stromdurchflutung, Spulen, Nassprüfmittelversorgung und UV-A-Beleuchtung für die 100-%-Serienprüfung. Sie prüfen Wellen, Zahnräder und Schmiedeteile auf Längs- und Querfehler.

Überblick

Stationäre Magnetisierungsanlagen (auch Magnetpulverprüfanlagen oder MT-Bankanlagen) sind fest installierte Systeme für die 100-%-Prüfung von Serienteilen in der industriellen Fertigung. Sie kombinieren mehrere Magnetisierungsmethoden, eine integrierte Prüfmittelversorgung und eine definierte Beleuchtungsumgebung in einer einzigen Einheit. Typische Einsatzbranchen sind Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, Energie- und Schwerindustrie.

Systemkomponenten

  • Stromversorgung und Steuereinheit: Leistungsstarke Gleich- oder Wechselstromversorgung (typisch 1 000–30 000 A), programmierbare Steuerung (SPS) mit Speicherung von Prüfprogrammen für verschiedene Bauteiltypen.
  • Durchflutungsvorrichtung (Kontaktbacken): Das Bauteil wird zwischen zwei pneumatisch oder hydraulisch betätigten Kupferkontakten eingespannt. Der Strom fließt axial durch das Bauteil (Stromdurchflutung), wodurch ein ringförmiges Quermagnetfeld entsteht — ideal zur Anzeige von Längsfehlern.
  • Querstromdurchflutung (Zentralleiter/Kabeldurchflutung): Ein Kupferstab oder ein flexibles Kabel wird durch Bohrungen oder Hohlkörper geführt; der Strom im Zentralleiter erzeugt ebenfalls ein ringförmiges Feld im Bauteil.
  • Magnetisierspule: Integrierte Solenoidspule für die longitudinale Magnetisierung; häufig schwenkbar oder verfahrbar, um verschiedene Bauteilauszüge abzudecken.
  • Sprühanlage für Nassprüfmittel: Pumpe, Vorratstank, Rührwerk (verhindert Sedimentierung), Sprühbalken oder -düsen. Die Suspension (Öl- oder Wasserbasis mit Magnetpulver) wird gleichmäßig über das Bauteil verteilt.
  • UV-A-Beleuchtung: Integrierte UV-A-Strahler (Quecksilberdampf oder LED, min. 10 W/m² nach EN ISO 3059) in einer abgedunkelten Prüfkabine oder unter einem UV-Gehäuse.
  • Filteranlage: Bei fluoreszierendem Prüfmittel unverzichtbar — Feinfilter entfernen Schmutzpartikel aus der Suspension und verhindern die Kontamination der Prüfmittelbäder. Regelmäßiger Wechsel nach Herstellervorgabe.

Magnetisierungsmethoden im Überblick

MethodeFeldrichtung im BauteilNachweisbare Fehler
Stromdurchflutung (Kontaktbacken)ringförmig (quer)Längsfehler, Längsrisse
Zentralleiter-/Kabeldurchflutungringförmig (quer)Längsfehler in Hohlkörpern
Solenoidspule (longitudinal)axial (längs)Querfehler, Querrisse
Kombiniert (Mehrfeldanlage)rotierend/überlagerndbeliebig orientierte Fehler

Prüfgut und typische Bauteile

Stationäre Anlagen prüfen bevorzugt Bauteile mittlerer Größe: Kurbelwellen, Nockenwellen, Getriebewellen, Pleuelstangen, Schrauben, Zahnräder, Schmiedegesenke, Schweißbaugruppen. Für sehr große Bauteile (Schiffswellen, Turbinenscheiben) kommen Sonderanlagen oder mobile Großstromgeräte zum Einsatz.

Qualitätssicherung in der Serienfertigung

Im Rahmen der 100-%-Prüfung durchläuft jedes Bauteil die Anlage automatisch oder halbautomatisch. Prüfparameter (Strom, Spulenposition, Sprühzeit, Auswertzeit) werden bauteilspezifisch gespeichert und bei jedem Prüfzyklus reproduzierbar abgerufen. Rückverfolgbarkeit und Dokumentation erfolgen über Barcode- oder RFID-Anbindung an übergeordnete Qualitätssysteme (MES/ERP).

Normen und Zulassungen

Stationäre Anlagen müssen EN ISO 9934-3 (Ausrüstung), EN ISO 9934-1 (Allgemeine Grundsätze) sowie branchenspezifische Normen wie AMS 2641 (Luft- und Raumfahrt) und ASTM E1444 erfüllen. Regelmäßige Systemqualifikationen (z. B. nach NADCAP) sind in der Luftfahrt zwingend vorgeschrieben.

Quellen & weiterführende Literatur
Kategorie
zfp
Inhaltsverzeichnis
Relevante Normen
  • EN ISO 3059
  • EN ISO 9934-3
  • EN ISO 9934-1
  • ISO 3059
  • ISO 9934-3
  • ISO 9934-1
  • ASTM E1444
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