Aufgabe des Entwicklers
Der Entwickler (engl. developer) ist der dritte Hauptwirkstoff der Eindringprüfung und wird nach dem Entfernen des überschüssigen Penetrants auf die Bauteiloberfläche aufgebracht. Er erfüllt zwei wesentliche Funktionen:
- Rückextraktion: Durch umgekehrte Kapillarwirkung zieht der Entwickler das im Fehler verbliebene Eindringmittel an die Oberfläche. Je feiner und poröser das Entwicklerpulver, desto stärker dieser Saugeffekt.
- Kontrast- und Hintergrundfunktion: Der weiße Entwicklerfilm bildet den Kontrasthintergrund, vor dem sich das rote (Typ II) oder fluoreszierende (Typ I) Penetrant als Anzeige abhebt. Bei fluoreszierender PT dient er zusätzlich als Weißlicht-Reflektionsfläche, die die Leuchtdichte unter UV-A erhöht.
Entwicklerformen nach EN ISO 3452-2
Form a — Trockenpulver
Feines, weißes Pulver (meist Kieselsäure, Kalziumkarbonat oder Titanoxid), das direkt als Stäubnebel auf das Bauteil aufgebracht wird — durch Eintauchen in ein Pulverbad, Einblasen oder Bestäuben. Kein Lösemittel, kein Trockenschritt notwendig. Ausschließlich für fluoreszierende Eindringmittel geeignet (Typ I), da kein weißer Kontrasthintergrund für Farbpenetrante ausreicht. Einfachste und schnellste Entwicklerform; bevorzugt in stationären Tauchanlagen.
Form b — Nasser Entwickler (wässrige Suspension)
Feines Weißpulver ist in Wasser suspendiert (mit Netzmitteln und Stabilisatoren). Wird durch Tauchen, Sprühen oder Fluten aufgebracht. Nach dem Auftrag muss das Bauteil getrocknet werden (Umlufttrockner, typisch 70–80 °C). Gleichmäßige Schichtdicke auf komplex geformten Teilen; für fluoreszierende PT bevorzugt. Rührwerk im Vorratstank erforderlich, um Sedimentierung zu verhindern.
Form c — Lösemittelsuspension (nichtaquatisch)
Weißpulver in einem schnell verdunstenden organischen Lösemittel (z. B. Aceton, Alkohol, Propellant). Klassisch als Sprühdose (Aerosol) verfügbar — die meistgenutzte Entwicklerform bei der Vor-Ort-Prüfung mit Methode C. Trocknet sehr schnell selbst und hinterlässt einen gleichmäßigen weißen Film. Für farbige und fluoreszierende Penetrante geeignet. VOC-Reduktion ist ein aktuelles Entwicklungsziel der Hersteller.
Form d — Nässer, wasserabwaschbarer Entwickler (Lösung)
Im Gegensatz zu Form b handelt es sich hier um eine echte Lösung (kein Pulver suspendiert), die nach dem Trocknen einen transparenten Film hinterlässt. Weniger gebräuchlich; hauptsächlich für spezielle Anwendungen, bei denen kein weißer Hintergrund erwünscht ist.
Form e — Nässer, wasserabwaschbarer Entwickler (Suspension, vorgefertigt)
Ähnlich Form b, aber als gebrauchsfertige Suspension geliefert, ohne weiteres Anmischen. Vereinfacht die Qualitätskontrolle der Konzentration.
Form f — Kunststofffilm-Entwickler (Peelable Developer)
Spezieller Entwickler, der nach der Prüfung als zusammenhängender Film abgezogen und als Prüfnachweis archiviert werden kann. Eingesetzt bei sicherheitskritischen Bauteilen (Luft- und Raumfahrt, Kernkraftwerke) zur lückenlosen Dokumentation. Aufwändig in der Handhabung; nur mit fluoreszierender PT sinnvoll.
Auftragsdicke und Einwirkzeit
Die Entwicklerschichtdicke ist ein kritischer Parameter: Zu dünn — ungenügende Rückextraktion und schlechter Kontrast. Zu dick — feine Anzeigen werden durch den zu mächtigen Pulverfilm überdeckt. Als Richtwert gilt bei Sprühdosen ein Abstand von ca. 20–30 cm und ein zügiger, einmaliger Übergang. Die Entwicklungszeit (Einwirkzeit nach Auftrag) beträgt nach EN ISO 3452-1 mindestens die Hälfte der Penetrationszeit, jedoch mindestens 10 Minuten. Die Auswertung muss innerhalb der vom Hersteller angegebenen Zeitfensters erfolgen, da Anzeigen bei zu langer Wartezeit durch Verlaufen des Penetrants unscharf werden können.
Normen und Prüfung der Entwickler
Entwickler werden nach EN ISO 3452-2 klassifiziert und geprüft. Wichtige Kontrollparameter in der laufenden Produktion sind: Konzentration der wässrigen Suspensionen (Aräometer oder Refraktometer), Fluoreszenzfreiheit (kein Penetrantrestgehalt im Entwickler), pH-Wert und mikrobieller Bewuchs bei wässrigen Typen.