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Drohnenbasierte Sichtprüfung

Drohnenbasierte Sichtprüfungen ermöglichen die Ferninspektionen an Brücken, Windkraftanlagen und Schornsteinen ohne Gerüste oder Industriekletterarbeit – mit hochauflösender Bildgebung und zunehmend KI-gestützter Auswertung.

Drohnenbasierte Sichtprüfung

Die drohnenbasierte Sichtprüfung (UAV-gestützte Inspektion, von engl. Unmanned Aerial Vehicle) ist eine moderne Methode der visuellen Ferninspektionen, bei der unbemannte Luftfahrzeuge mit optischen Sensoren schwer zugängliche Strukturen inspizieren. Sie ersetzt in vielen Fällen aufwändige Gerüste, Hebebühnen oder Industriekletterarbeit.

Technische Grundlagen

Inspektionsdrohnen sind typischerweise mit hochauflösenden Kameras (bis 50 Megapixel), optischen Zooms (bis 30-fach), Gimbals zur Bildstabilisierung und zunehmend mit Infrarotkameras und LiDAR-Sensoren ausgestattet. GPS-gestützte Flugsteuerung ermöglicht präzise Positionierung und autonomes Abfliegen vorprogrammierter Inspektionspfade. Windstabilisierte Multikopter können in Windgeschwindigkeiten bis 12 m/s stabil hover.

Einsatz an Brücken

Brückeninspektionen nach DIN 1076 erfordern regelmäßige Hauptprüfungen aller zugänglichen Bauwerksteile. Drohnen inspizieren Unterseiten von Brückenträgern, Widerlager, Pfeiler und Seilbefestigungen, die ohne Drohne nur mit Brückeninspektionsfahrzeugen oder Industrieklettern erreichbar wären. Hochauflösende Bilder erlauben die Identifikation von Rissen ab etwa 0,2 mm Breite, Betonabplatzungen, Korrosion und Entwässerungsschäden.

Windkraftanlagen-Inspektion

Rotorblätter von Windkraftanlagen sind mechanischen und witterungsbedingten Belastungen ausgesetzt, die zu Erosion, Rissen, Blitzschäden und Delaminationen führen können. Drohnen umfliegen die Rotorblätter im Stillstand systematisch und liefern überlappende Bildreihen, aus denen Photogrammetrie-Software ein hochgenaues 3D-Modell erstellt. Thermografisch ausgestattete Drohnen detektieren zusätzlich Feuchteeinschlüsse und Delamination durch aktive oder passive Thermografie.

Schornstein- und Turmbauwerke

Industrieschornsteine, Kühltürme und Sendemasten werden von Drohnen außen und – sofern technisch möglich – innen inspiziert. Risse im Mauerwerk, Ausblühungen, Mörtelauswaschungen und Beschädigungen der Abdichtung lassen sich dokumentieren, ohne den Betrieb zu unterbrechen oder Gerüste zu errichten. Speziell für Innenbefliegungen entwickelte Drohnen mit Propellerkäfigen und nach unten gerichteten Scheinwerfern sind verfügbar.

Dokumentation und Auswertung

  • Automatische Georeferenzierung von Bildern durch GPS und IMU
  • Photogrammetrische Rekonstruktion als 3D-Punktwolke oder Orthofoto
  • KI-gestützte Schadenserkennung und -klassifikation
  • Digitale Berichte mit verorteten Schadensfunden für das Bauwerksmanagement

Regulatorischer Rahmen

Der Betrieb von Inspektionsdrohnen unterliegt in Deutschland der EU-Drohnenverordnung (EU 2019/947) und der LuftVO. Für Inspektionen in der Nähe von Bebauung oder außerhalb der Sichtweite (BVLOS) sind spezifische Genehmigungen der Luftfahrtbehörden erforderlich. Drohnenpiloten müssen je nach Gewichtsklasse und Einsatzbereich entsprechende Kompetenznachweise besitzen.

Sources & Further Reading