Additive Fertigung und ZfP: 3D-Druck unter der Lupe

Additive Fertigung (SLM, EBM, FDM) erzeugt spezifische Fehlerbilder wie Poren, Bindefehler und Verzug. CT ist die Schlüsselmethode – aber auch UT und RT kommen zum Einsatz.

Additive Fertigung: Warum ist ZfP so wichtig?

Additiv gefertigte Bauteile werden schichtweise aufgebaut — jede Schicht ist eine potenzielle Schwachstelle. Fehler aus einer frühen Schicht können durch später aufgebrachte Lagen überdeckt werden und sind dann nur noch durch volumetrische Prüfung erreichbar.

Wichtige AM-Verfahren und ihre typischen Fehler

VerfahrenWerkstoffTypische Fehler
SLM / LPBF (Laser Powder Bed Fusion)Stahl, Titan, Nickel, AlGasporosität, Lack-of-Fusion, Risse, Verzug
EBM (Electron Beam Melting)Titan, NickelPorosität, Pilling (Pulverauswurf)
DED / WAAM (Wire Arc AM)Stahl, Al, TiPoren, Einschlüsse, Schweißeigenspannungen
FDM / FFF (Filament)KunststoffeLagenablösung, Poren, Anisotropie
SLA / DLP (Harz)PhotopolymereUnvollständige Aushärtung, Oberflächenrisse

Lack of Fusion (LoF)

Der häufigste und gefährlichste Fehler bei pulverbettbasierten Verfahren. Entsteht wenn der Laserstrahl die vorherige Schicht nicht vollständig aufschmilzt. LoF-Defekte sind flach und plattenförmig — für RT schwer nachweisbar wenn parallel zum Strahl, für UT als Echoerhöhung erkennbar. CT zeigt LoF am deutlichsten.

ZfP-Methoden für AM-Bauteile

Industrielle CT — Goldstandard

3D-Rekonstruktion zeigt Poren, LoF und Risse in Lage und Größe. Quantifizierung nach VDI/VDE 2630. Einschränkung: maximale Bauteilgröße, Kosten, metallische Inserts streuen Strahlung. Normierung: ASTM E3166 (CT für AM), ISO/ASTM 52941 in Entwicklung.

Ultraschall

Raue Oberflächen (typisch für AM, Ra = 10–50 µm) erfordern Schleifvorbereitung oder Immersionsprüfung. Hochfrequenz-PAUT zeigt volumetrische Fehler. Phased Array + TOFD bei WAAM-Schweißnähten.

Durchstrahlungsprüfung (RT)

Für einfache Geometrien: digitale Radiographie (DR) zeigt Poren und Einschlüsse. Limitation: flache LoF-Fehler bei günstiger Orientierung zum Strahl unsichtbar.

In-situ Überwachung

Moderne AM-Maschinen integrieren Kamerasysteme (meltpool monitoring), Thermographie oder akustische Emission direkt in den Bauprozess. Noch nicht normiert, aber in Erprobung (z. B. NIST-Studien).

Normenlage

  • ISO/ASTM 52900: Terminologie der additiven Fertigung
  • ASTM F3049: Charakterisierung von Metallpulvern
  • DIN EN ISO 17296: ZfP für AM (in Entwicklung)
  • NASA-STD-6030 (für Luft- und Raumfahrt)